Mullivaikal

Im Alter von 6 Jahren floh ich mit meinem Vater aufgrund der Luftangriffe der sri-lankischen Regierung gegen das tamilische Volk aus unserem Heimatdorf. Doch nirgendwo war es sicher. Kein Ort, wo man sich für kurze Zeit ausruhen könnte. Voller Hoffnung erreichten wir schließlich mit hundert anderen Geflohenen den Ort Mullivaikal. Uns wurde von der Regierung mitgeteilt, dass sich in diesem Gebiet eine Sicherheitszone befindet und wir nichts zu befürchten hätten. Man versprach uns Trinkwasser, Nahrungsmittel und Medikamente. Jedoch war dem nicht so. Wir mussten uns dort in Bunkern verstecken, um nicht vom andauernden Bombardement und Kugelhagel durch die Regierung getroffen zu werden.

Einige Stunden später sagte mir mein Vater, dass ich im Bunker bleiben sollte. Er wollte etwas Wasser holen und baldigst zurück sein. Ich versprach ihm, unter keinen Umständen den Bunker zu verlassen oder nach draußen zu blicken. Zu dem Zeitpunkt verstand ich nicht, warum er so sehr auf dieses Versprechen bestand.

Einige Zeit, nachdem er den Bunker verließ, hörte ich eine Explosion in einer Lautstärke wie nie zuvor. Darauf folgte ein kurzer Moment völliger Ruhe, was mich erleichterte. Doch auf einmal war ein Aufschrei der Menschen zu hören. Ich wollte sofort aufstehen, um zu sehen was passiert ist, doch ich erinnerte mich an das Versprechen, das ich meinem Vater gab. Stattdessen schrie ich mehrmals nach ihm, doch ich bekam keine Antwort. Aus Verzweiflung stand ich auf, um ihn zu suchen.

Ich ging nach draußen und stand da wie angewurzelt. Ich war fassungslos beim Anblick von abgetrennten Gliedmaßen, Leichen und all dem Blut. Ich fing an zu weinen. Nun verstand ich, warum meinem Vater dieses Versprechen so wichtig war. Jedoch verstehe ich bis heute nicht, womit wir all das verdient hatten.

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