STF löst große Unruhen in Vadamaraadchi aus

Am Sonntag ist in Jaffna ein tamilischer Tagelohnarbeiter von zwei Polizisten getötet worden, nachdem dieser illegal abgebauten Sand im Auto transportierte. Singhalesischen Polizisten, die das Opfer mit Motorrädern jagten, schossen auf den 24-jährigen, so seine Familie.

Das Opfer, Yogarajah Thinesh, verlor seinen Vater im Krieg. Seitdem war seine Familie von ihm als Ernährer abhängig. Seine Angehörigen gaben bekannt, dass der 24-jährige auf der Suche nach der Familie seiner Schwester war, welche ebenfalls ihren Ehemann im Krieg verlor.

In Thunnaalai im Südwesten von Vadamaraadchi war die Lage am letzten Sonntag und Montag angespannt, da sich Dorfbewohner gegen die singhalesischen Polizisten auflehnten. Sie forderten aufgrund der Tötung, dass die Mörder identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden. So wurde am Sonntag eine Polizeiwache durch aufgebrachte Dorfbewohner zertrümmert und Fahrzeuge der Polizisten mit Steinen beworfen. Zudem kam es durch brennende Reifen von Polizeifahrzeugen zu großen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr. 

Das sri-lankische Militär und die STF (Special Task Force) leiteten nach der Beerdigung am Dienstag vorbeugende Maßnahmen ein und nahmen im Rahmen einer Razzia verdächtige Personen fest.

In Anlehnung an die Unruhen am Sonntag und Montag kündigte ein singhalesischer Polizeisprecher in Colombo an, zwei Polizeibeamte, einschließlich eines Inspektors, vorübergehend von ihren Aufgaben zu suspendieren und für 14 Tage in Gewahrsam zu nehmen.

Bei dem Inspektor handele es sich um einen Tamilen und bei dem Polizisten um einen Muslimen, sagten Quellen der singhalesischen Polizei in Jaffna. Dorfbewohner von Thunnaalai sind der Überzeugung, die sri-lankische Polizei verfolge mit der Tötung die Absicht, andere Menschen von solchen Taten abzuschrecken. Bereits wenige Monate zuvor berichtete die STF über einen ähnlich brutalen Vorfall in Thenmaraadchi.

Dorfeinwohner berichteten weiterhin, dass Singhalesen, die am illegalem Sandabbau beteiligt sind, Rückendeckung vom Militär erhalten und sogar mit Schutz der sri-lankischen Polizei operieren, obwohl der durch die sri-lankische Regierung gestützte Sandabbau die Umwelt von Jaffna zerstöre. Verärgerte Dorfeinwohner sind sich sicher, dass die Polizei gezielt Tamilen ins Visier nehmen, anstatt Maßnahmen gegen die Zerstörung der Umwelt zu ergreifen. Tamilische Aktivisten, die den Sandabbau mit friedlichen Mitteln bekämpfen, werden vom singhalesischen Militär und anderen paramilitärischen Gruppen getötet und schikaniert.

Es war nicht notwendig, den jungen Mann zu töten, welcher durch einen Auftragnehmer in das illegale Geschäft verwickelt worden war. Ein Schuss in den Autoreifen hätte genügt, um das schnelle Fahrzeug zu stoppen. Die Dorfbewohner können nicht nachvollziehen, warum die Polizisten ihn getötet haben.

Im Südwesten Vadamaraadchis wurden bewaffnete singhalesische STF-Kommandos in Fahrzeugen und singhalesische Soldaten auf Feldrändern eingesetzt. STF-Kommandos wurden beim Überwachen der Polizeistationen in Point Pedro und Nelliyadi sowie Mathanki- Krankenhaus gesehen.

Die Dorfeinwohner vergleichen diese Tat mit der Tötung von zwei tamilischen Studenten der Universität Jaffna im Oktober 2016 in Kokkuvil. Diese Tötungen waren kaltblütige Taten und sie erinnern die Menschen an den Terror der Polizei in den späten 70er Jahren als Ausmaß der friedlichen Proteste nach dem Beschluss der Verfassung Sri Lankas in 1972. Politische Ermittler sagten, dieselbe Situation wiederhole sich nun.

Die STF wurde in der Zeit des Präsidenten J.R Jayawardene gegründet und von den Briten ausgebildet. Sie wurden von der sri-lankischen Polizei organisiert. Ziel dieser Truppe ist es die Eelamtamilen zu schikanieren. Sie fungiert als verlängerter Arm des sri-lankischen Militärs. Anweisungen erhalten sie vom sri-lankischen Verteidigungsministerium in Colombo. Die STF war am brutalen Völkermord im Osten und während des Krieges in Vanni beteiligt.

Nach dem Völkermordangriff im Mai 2009 erhöhte Colombo den Einsatz der STF – Kommandos in allen Bezirken der nördlichen und östlichen Provinzen. Derzeit sind mehr als 8.000 Mitarbeiter an 69 Lagern vertreten. Die meisten befinden sich im bewohnten Land der Eelam Tamilen im Norden und Osten der Insel.

Black July 1983 – Hab und Gut der Tamilen

Das Bild vermittelt den Eindruck einer Kriegssituation, in der die Städte verwüstet wurden. Im Juli 1983 wurde dieser Eindruck bestätigt, denn in Sri Lanka wurden Häuser, Geschäfte und sonstige Einrichtungen in Brand gesetzt und komplett zerstört. Von der Zerstörung waren aber nicht alle Menschen betroffen, da es hierbei um die gezielte Auslöschung eines Volkes ging… der Eelam-Tamilen! Das im Norden und Osten des Landes beheimatete Volk wurde von Singhalesen verfolgt, gefoltert und getötet, und das nur aufgrund der Tatsache, weil sie als Tamilen geboren wurden. Die Machenschaften der singhalesischen Bevölkerung wurden von der srilankischen Regierung nicht geahndet, im Gegenteil: die Regierung befürwortete, förderte und belohnte die Täter dafür.

Nicht nur in tamilischen Gebieten, sondern auf der gesamten Insel wurden Eelam-Tamilen angegriffen. Der Grundsatz war, möglichst viele Tamilen anzugreifen und ihr Hab und Gut zu zerstören. In Pettah beispielsweise wurden Modeläden, Elektronikgeschäfte und weitere von Tamilen geführte Läden nach und nach attackiert. Die Regierung registrierte allein in Pettah eine Zerstörung von über 20.000 Geschäften, doch bis heute wurde keiner zur Rechenschaft gezogen oder verurteilt. Die Fälle vom Juli 1983 sind keine Einzelfälle. Auch heute noch gehört der systematische Angriff der Regierung auf die Eelam-Tamilen durch vereinzelt-gezielte Attacken zur Tagesordnung.

Für immer…

„Mein Bruder hat angerufen. Unser Laden wurde in Brand gesetzt. Ich fahre kurz zu ihm. Schließ die Tür ab und öffne sie niemandem“, sagte mein Mann und drückte mich ganz fest an sich. Bevor er das Haus verließ, schaute er mir ganz tief in die Augen. Ich konnte die Angst an seinen Augen ablesen. Ich hatte ein verdammt komisches Gefühl. Ein Gefühl, das mich das Schlimmste befürchten ließ.

Draußen war es still. Niemand traute sich, das Haus zu verlassen, denn man war nicht einmal in seinen eigenen vier Wänden sicher. Maskierte Schlägertruppen trieben draußen ihr Unwesen. Sie steckten alles in Brand, was uns Tamilen gehörte. Man konnte immer nur beten, dass das Grauen ein schnelles Ende nimmt.

Ich hatte Angst. Ich hatte Angst, alleine zu sein. Ich wusste, dass ich nicht ganz alleine war, aber ich fühlte mich unsicher. Irgendetwas sagte mir, dass etwas Schreckliches passieren würde. Um mich abzulenken, schaute ich mir unsere Hochzeitsfotos an. Sie zauberten mir immer ein Lächeln ins Gesicht, doch heute wurde ich dieses seltsame Gefühl einfach nicht los.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Ich erschrak. Mein Herz begann, wie wild zu pochen. Ich hörte Stimmen. „Wir wissen, dass ihr da seid! Macht die Tür auf!“ Ich rannte ins Schlafzimmer und versteckte mich hinter dem Bett. Auf einmal hörte ich die Tür aufspringen. Geschirr und Möbel wurden durch die Luft geworfen. Ich nahm wahr, wie alles zerbrach. Ich hörte Schritte. Schritte, die immer näher kamen.

Ein schwarz gekleideter, breit gebauter Mann betrat das Schlafzimmer. Ich machte mich ganz klein, um nicht entdeckt zu werden. Doch er fand mich. „Wieso versteckst du dich vor mir? Komm her! Ich tue dir nichts.“ Ich saß da wie angewurzelt. Er begann immer lauter zu werden. „Komm her, habe ich gesagt!“ Er packte mich an den Haaren und schlug mich gegen die Wand. Blut floss an meinen Beinen hinab. Ich wusste, dass dies das Ende meiner kleinen Prinzessin war. Sie würde niemals die Welt erblicken. Ich hatte so viele Vorstellungen gehabt. Alle wurden zerstört. Ich war innerlich tot.

Er schmiss mich aufs Bett und nahm sich, was er wollte. Ich lag regungslos da. Der Verlust meiner Kleinen und der körperliche Schmerz ließen mich verstummen. Er packte mich, warf mich draußen auf den Boden und verschwand. Ich sah weinende Menschen um mich. Das Bild wurde immer unklarer und meine Augenlider immer schwerer. Dann fielen sie zu. Für immer.

Sri lankischer Polizeibeamte reißt 10 Hektar Land in Kokkaddi in Champoor an sich

Der sri lankische Polizeibeamte A.K.A Sawahir verwehre im Oktober 2015 den eigentlichen tamilischen Dorfbewohner den Zutritt zu ihrem Dorf Kokkaddi. Der sri lankische Plolizeibeamte riss sich mit Hilfe der DS Secretary illegal 10 Hektar Land der Dorfbewohner an sich, in dem er ihnen den Zugang zu ihrem Dorf Champoor verbat.

Kokkaddi ist ein altes tamilisches Küstendorf, mit fruchtbarem Land, die von großer Bedeutung für die Landwirtschaft ist. Die Dorfbewohner von Kokkaddi wurden 1998 nach der militärischen Besetzung des srilankischen Militärs vertrieben.

Nach der Befreiung des Dorfes durch die LTTE, konnten die tamilischen Bewohner mit der Landwirtschaft fortfahren, jedoch blieben sie aufgrund Angriffe der srilankischen Marine von ihren Häusern fern.

Das verlassene Dorf ist durch Bäume und Pflanzen bewachsen, dennoch sind vereinzelt ehemalige Tempelstrukturen zu erkennen. Wie gewöhnlich beansprucht das srilankische Forest Department die Fläche, da der Ort mittlerweile einem Dschungel gleicht. Dieses wird vom Divisionssekretär Yoosuff unterstützt, in dem er die tamilischen Dorfbewohner von ihren Grundstücken fernhält. Die Dorfbewohner haben einen Verlust von 10 Hektar zu beklagen. Sie machen den Divisionssekretär und die srilankischen Behörden dafür verantwortlich, dass ihnen die Wiederbesiedlung verweigert wird.

Erinnerungen…

In Erinnerung bleibt, was einen emotional berührt. Deshalb bleibt uns auch Black-July in Erinnerung. Denn jeder Eelam-Tamile ist von Black-July direkt oder indirekt betroffen. Er hat einen emotionalen Anker zu diesem bedeutsamen Monat.

Black-July war das Ereignis, welches auf Sri Lanka die meisten Tamilen zwang, ihre Heimat, ihre Familie und all ihren Besitz zu verlassen und sich in das Ungewisse zu stürzen. Viele von ihnen verloren dabei ihr Leben. Wie soll so eine starke Emotion vergessen werden?

Wir können es nicht vergessen, weil es für die Verbrecher dieser Gräueltaten niemals Konsequenzen gegeben hat. Dadurch, dass diese Tat nie geahndet worden ist, besteht stets die Gefahr, dass es zu einer Wiederholung der Ereignisse kommen kann. Somit können wir es nicht vergessen, denn dann würden wir auch den Glauben an die Gerechtigkeit verlieren.

Der polnische Journalist jüdischer Abstammung, Marian Turski, sagte passend hierzu: „Jedes Mal, wenn ein Mensch anderen Glaubens oder Ethnie beleidigt, bedroht oder verletzt wird, dann fängt Auschwitz stets von vorne an.“ Black July ist unser Auschwitz. Die gleiche Motivation, der gleiche Hass und derselbe Grund. Wir können und dürfen diese Gräueltaten, die die srilankische Regierung an den Eelam-Tamilen verübt hat, nicht vergessen. Denn 100.000 Menschen sind dabei gestorben und eine noch größere Anzahl wurde verletzt oder vertrieben.

Warum müssen Menschen getötet werden, wenn sie niemandem etwas getan haben? Warum muss das junge, kleine Mädchen brutal vergewaltigt und zu Tode gequält werden, wenn es noch nicht mal weiß, was böse ist!?

Ein ganzes Volk zu traumatisieren aus chauvinistischen Gründen, darf nicht ohne Konsequenzen bleiben! Viele Menschen sind nicht nur an den direkten Folgen gestorben, sondern ihnen wurde durch die Zerstörung der Häuser und Geschäfte die gesamte Existenzgrundlage genommen, sodass sie an dessen Folgen wie Hunger verstarben.

Kant sagte einst: „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ Kant hat Recht! Wir werden immer auf die grausamen Black-July-Ereignisse von 1983 aufmerksam machen und die Verstorbenen ins Gedächtnis hervorrufen, denn wir wollen niemals unsere Schwestern und Brüder sterben lassen!

Black July ’83 Ein Einschnitt in die Geschichte der Eelam-Tamilen

Der Juli 1983 ist ein Monat, der im Gedächtnis aller Eelam-Tamilen eingebrannt ist. Besonders in derer, die auf der Insel leben oder gelebt haben. Er wurde von der srilankischen Regierung zur Machtdemonstration genutzt, um mithilfe von systematisch gezielten Gewaltanwendungen gegen das tamilische Volk vorzugehen.

Die Diskriminierung des tamilischen Volkes wurde offiziell, als die srilankische Regierung im Jahre 1948 das Bürgerrechtsgesetz Nr.18 verabschiedete, welches die Entziehung der Staatsbürgerschaft aller Tamilenmit indischen Wurzeln vorsah. Die nächste Stufe der strukturellen Diskriminierung erfolgte unter der Regierung der Freiheitspartei SLFP und der Führung von S.W.R.D Bandaranayake,als das Sinhala-Only-Gesetz erlassen wurde. Dieses bildete die Grundlage für ein Rassengesetz, wodurch die singhalesische Sprache zur einzigen offiziellen Sprache der Insel erklärt wurde. Die eelamtamilische Bevölkerung führte friedliche Proteste gegen diese Gesetze, die jedoch immer wieder gewaltsam von der Regierung niedergeschlagen wurden.

Im Jahre 1983 nahmen die Gewaltausbrüche seitens der Regierung ein neues und brutales Ausmaß an. Mehr als 3000 Tamilen wurden in Colombo und weiteren Landesteilen auf brutale Art und Weise ermordet. Über eine halbe Million Tamilen flohen daraufhin in den Norden und Osten der Insel.

In der Nacht auf den 13. Juli 1983 starben dreizehn singhalesische Soldaten in Jaffna, was eine große Welle der Gewalt gegen die Tamilen auslöste. Sechs Tage lang wurden unschuldige tamilische Zivilisten, attackiert. Die srilankische Regierung ordnete den Grund der Attacke als unkontrollierbare Rassenunruhen ein. Ein klares Zeugnis für das Versagen des Staates.

Zwischen dem 24. und 30. Juli 1983 geschahen mehrere Vorfälle, die im Konflikt der Eelam-Tamilen eine relevante Bedeutung erlangten:

       (1) Bevor in Colombo die organisierte Gewalt ausbrach, randalierte am Morgen des 24. Juli die in Jaffna stationierte Armee und tötete 51 unschuldige tamilische Zivilisten. In Trincomalee brachen ähnliche Unruhen aus, als Mitglieder der Marine wahllos auf Zivilisten schossen und tamilisches Eigentum in Brand setzten.

Am gleichen Abend war ein Staatsbegräbnis in Colombo für getötete Soldaten geplant. Tausende Menschen pilgerten zum Friedhof, wo die Särge jedoch nicht rechtzeitig ankamen. Nach mehreren Stunden Wartezeit sprach sich ein großer Teil der Menge gegen eine Beisetzung in Kanatte aus und forderte, die Särge an die jeweiligen Familien zu übergeben. Als die Menge begann, den Ort zu verlassen, erschien bei der Borella-Kreuzung eine neue Personengruppe und schrie anti-tamilische Parole. Die Gruppe wurde als Schlägertrupp der Regierung identifiziert. Als die Stimme gegen die Regierung nachließ und die anti-tamilischen Aufrufe verstärkt wurden, brach die Gewalt aus. Es folgten Brandstiftungen und Ermordungen unzähliger Tamilen.

       (2) Am frühen Morgen des 25. Juli, nachdem sich die Lage einigermaßen beruhigt hatte, setzte der Mob, angeführt von Leuten mit Wählerlisten, tamilische Häuser in Brand. Tamilische Geschäfte wurden geplündert und zerstört. Der gesamte Verkehr wurde kontrolliert und jeder aufgefundene Tamile wurde verstümmelt, erstochen oder lebendig verbrannt. Cyril Matthew, Industrieminister Sri Lankas, war Zeuge davon, wie die Geschäfte vor dem Niederbrennen gekennzeichnet wurden.

Die zahlreichen, in der ganzen Stadt im Einsatz gewesenen Polizisten standen da und schauten zu. Zeugen erinnern sich an Lastwagen voller bewaffneter Truppen, die gemächlich den Plünderern zuwinkten. Der Präsident erklärte die Ausgangssperre erst im Verlauf des späteren Nachmittags, als das Schlimmste vorüber war. Die Gewalt dauerte jedoch unvermindert an. Zehntausende obdachlose Tamilen suchten Schutz in Schulen, Tempeln und Kirchen.

Im Gefängnis Welikade sind 35 tamilische politische Gefangene, die unter dem Terrorgesetz ‚Prevention of Terrorism Act‘ auf ihre Gerichtsverhandlung warteten, unter Komplizenschaft der Gefängniswärter von singhalesischen Gefangenen mit Spikes, Knüppeln und Eisenstangen getötet worden.

Die Gewalt weitete sich auf die gesamte Insel aus und erreichte Städte wie Gampaha, Kalutara, Kandy, Matale, Nuwara Eliya und Trincomalee. Die indo-tamilische Stadt Kandapola bei Nuwara Eliya wurde komplett ausgelöscht.

(3) Am 26. Juli verhängte die GoSL eine strikte Zensur über die Berichterstattung der Medien zur anti-tamilischen Gewalt. Die Nachrichten über die mangelhafte staatliche Kontrolle in Sri Lanka verbreiteten sich weltweit, als Augenzeugen berichteten und die Bilder von zurückkehrenden Touristen das Ausmaß der Gewalt illustrierten. Sie beschrieben, wie tamilische Autofahrer lebendigen Leibes aus ihren Fahrzeugen gezerrt und in Stücke zerhackt wurden, während andere mit Benzin übergossen und angezündet wurden, wobei die Sicherheitskräfte tatenlos zuschauten. Der internationale Flughafen von Colombo wurde geschlossen.

(4) Am 27. Juli wurden nur zwei Tage nach dem Gefängnismassaker weitere 17 Gefangene im Gefängnis Welikade getötet. Die überlebenden 36 Gefangenen wurden in andere Gefängnisse gebracht. Die anti-tamilische Gewalt dauerte an und die Ausgangssperre wurde verlängert. Zeugen der Gewalt berichteten, dass verkohlte Leichen von tamilischen Opfern die Straßen von Colombo säumten; einige der Leichen waren mit Äxten verstümmelt worden.

       (5) Am 28. Juli sprach Präsident J.R. Jayewardene zum ersten Mal seit Beginn der anti-tamilischen Pogrome zur Nation und kippte Öl ins Feuer, als er sagte, dass jedermann, der für die Trennung sei, alle Bürgerrechte verlieren würde.

Er erklärte: „Nunmehr ist die Zeit gekommen, dem wünschenswerten und naturgegebenen Verlangen des singhalesischen Volkes statt zu geben und zu verhindern, dass das Land geteilt wird.“ Bürgerwehren richteten überall in den Dörfern der Insel Straßensperren ein, durchsuchten Autos und Busse nach Tamilen. Bei einem Vorfall verbrannte der singhalesische Mob 20 Tamilen in einem Minibus lebendigen Leibes vor den Augen eines in Schock geratenen europäischen Touristen.

       (6) Am 29. Juli begannen Tamilen in Colombo, Menschen auf einem Frachtschiff nach Jaffna zu evakuieren. Hunderte weitere Vertriebene warteten ungeduldig auf den nächsten Frachter, damit sie ebenfalls nach Jaffna transportiert werden konnten.

(7) Am 30. Juli ließ die Gewalt allmählich nach. In Colombo und weiteren Landesteilen kam es aufgrund der wochenlangen Gewalttaten und Ausschreitungen zu einer Nahrungsmittelknappheit.

Der Antrieb hinter den Gewalttaten von 1983 war der listige UNP-Führer J.R. Jayewardene, der 1978 die diskriminierende Verfassung in Kraft setzte. Diese verschärfte die Versklavung der Tamilen weiter. Bei den Wahlen von 1977 gewann die Tamil United Liberation Front (TULF) mit ihren Kandidaten mit dem Mandat, dass die Tamilen in einem Referendum für ein unabhängiges ‘Tamil Eelam’ zur Urne gehen.

Die Verfassung von 1978 stärkte die Rolle des Präsidenten ungemein. Eine Machtkontrolle der Exekutiven war nicht mehr möglich. Jeyewardene erklärte sich selbst zum ersten exekutiven Präsidenten. Sein höchstes Ziel war, den Ruf der Tamilen nach Freiheit mit allen Mitteln verstummen zu lassen.

1979 erließ die GoSL das berüchtigte Terrorgesetz ‚Prevention of Terrorism Act‘ (PTA) zur Bewältigung der wachsenden tamilischen Militanz. Das PTA ermächtigt die srilankischen Streitkräfte, gegen jedermann vorzugehen, der unter Verdacht steht, mögliche Verbindungen zu der tamilischen Militanz zu haben. Dies führte rasch dazu, dass tausende unschuldige Tamilen ohne jegliche Verbindung zu der tamilischen Militanz davon betroffen waren.

Jayewardene unterdrückte weiterhin die tamilische Minderheit mit Gewalt und benutzte seine Parteimitglieder dazu, Pogrome gegen sie zu organisieren, was zum Höhepunkt der tagelang andauernden Gewalt im Juli 1983, heute bekannt als ‚Schwarzer Juli‘, führte.

Die rassistische Motivation von Jayewardene lässt sich an unzähligen Belegen fest machen. Bei einem Interview mit Ian Ward vom London Daily Telegraph äußerte er in seiner letzten Amtsperiode den Slogan: „ Krieg für Krieg“. Er ergänzte seine Ausführung noch mit folgenden Worten: „Je mehr Druck auf den Norden ausgeübt wird, umso glücklicher wird das singhalesische Volk hier sein. Wirklich, wenn ich die Tamilen hungern lasse, wird das singhalesische Volk glücklich sein.”

Offiziell wurde der Schwarze Juli von der GoSL entfesselt, insbesondere durch den damaligen Präsidenten J.R. Jayewardene, „um der tamilischen Minderheit eine Lektion beizubringen“. Seine Pläne wurden von seinen Falken und chauvinistischen Ministern wie Cyril Mathew und lokalen Schlägerbanden, die der herrschenden Partei nahestanden, umgesetzt. So wurde in Sri Lanka Terrorismus erstmals gegen die Tamilen eingesetzt. Den Tamilen blieb dabei keine andere Wahl, als zu den Waffen zu greifen, um sich zu verteidigen.

Was zunächst als Selbstverteidigung begann, wandelte sich in einen konventionellen Krieg, als die GoSL zehntausende Soldaten einsetzte, um das tamilische Homeland mit hochmodernen Waffen und Militärstützpunkten auf tamilischem Boden zu besetzen. Von diesen Basen übt die GoSL weiterhin alltäglich Gewalt gegen unschuldige Menschen aus, die Entführungen, Vergewaltigungen, Plünderungen, Kontrolle über Wohngebiete für militärische Zwecke und Tötungen über sich ergehen lassen müssen.

Die Pogrome des Schwarzen Juli 1983 werden im Buch „Sri Lanka – A Mounting Tragedy of Errors“ genauestens beschrieben. Das Dokument wurde im Januar 1984 aus Sri Lanka herausgeschmuggelt und im März desselben Jahres im Namen der Internationalen Juristenkommission und ihrer britischen Sektion JUSTICE veröffentlicht. Als Autor gilt Paul Sieghart, Präsident des Ausschusses von JUSTICE. In seinem Bericht kam Sieghart zum folgenden Schluss:

“Natürlich war es nicht ein spontanes Wiederaufflammen des allgemeinen Hasses unter den Singhalesen. Es war eine Reihe vorsätzlicher Handlungen, ausgeführt in Übereinstimmung mit einem abgestimmten Plan, lange vorher konzipiert und organisiert. Wer waren jedoch die Planer? […] Kommunale Unruhen, bei denen Tamilen getötet, verstümmelt, beraubt, obdachlos werden, sind nicht länger isolierte Ereignisse; sie werden zu einer schädlichen Gewohnheit […] Gemäß dem Übereinkommen für die Verhütung und Bestrafung des Verbrechens des Völkermordes wird in der Absicht der Zerstörung begangener Mord, ganz oder teilweise begangen an einer nationalen, ethischen, ethnischen oder religiösen Gruppe als Völkermord gelten. Die Tatsachen führen klar zur Schlussfolgerung, dass die Gewalt der singhalesischen Randalierer gegen die Tamilen (im Juni/Juli/August 1983) auf Völkermord hinauslief.“

Ein ebenfalls klares Statement zu den Vorfällen gab der Tamil Eelam National Leader Hon. Velupillai Prabhakaran:

“Wir sind der Meinung, dass der Juli-Holocaust ein geplantes, gut orchestriertes Völkermords-Pogrom gegen die Tamilen war, durchgeführt von rassistischen Elementen der regierenden Partei. Ursprünglich versuchten diese rassistischen Elemente, die ganze Schuld auf die LTTE abzuschieben. Dann beschuldigten sie plötzlich die linken Parteien für die Krawalle. Tatsache ist jedoch, dass die rassistischen Führer der derzeitigen Regierung die Verantwortung für diese tragischen Verluste an Menschenleben übernehmen sollten. […] Wenn Jayewardene ein echter Buddhist wäre, müsste ich keine Pistole tragen.“

Damit wird deutlich, dass diese Unruhen nicht aus der Mitte des Volkes herausgingen, sondern ein Akt der politischen Elite war. Es war geplant und instruiert.

Es sind nicht nur die materielle Dinge, die bei dieser Aufruhr in Mitleidenschaft gezogen und zerstört wurden. Auch herrscht seit jeher ein Vertrauensbruch, in Form von Misstrauen der Tamilen sowohl gegenüber der singhalesischen Bevölkerung, als auch gegenüber der srilankischen Regierung. Denn die Regierung schürte Rassismus, welches vom Volk getragen und gezielt gegen die Tamilen ausgeübt wurde. Viele Menschen haben dadurch ihr Leben verloren; einige andere ihre gesamte Existenz. Und das nur, weil sie einer anderen Ethnie angehörten.

Nach diesen grausamen Geschehnissen, die im Juli 1983 begonnen haben, ist kein gewissenhaftes Leben in Ruhe, in Frieden und in Sicherheit für die tamilische Bevölkerung erdenklich. Diese Ereignisse und unvorhersehbare Taten der Regierung rechtfertigen daher das heutige Streben der Eelam-Tamilen um ein Land mit Selbstbestimmung. Doch warum sprechen wir heute noch von einem Ereignis, welches knapp 34 Jahre zurückliegt? Weil dieser Zustand weiterhin auf der Insel vorliegt. Es gibt immer noch diese volksfeindlichen Übergriffe und die Regierung ist noch immer chauvinistisch geprägt, sodass es den Tamilen unter diesen Zuständen verwehrt bleibt, ein angst- und sorgenfreies Leben zu leben.

Aus diesem Grund darf dieser bedeutsame Monat nicht in Vergessenheit geraten. Um an die Leidensgeschichte vieler Tamilen zu erinnern, die die ‚Black-July‘-Ereignisse von 1983 durchlebt haben, wollen wir euch jeden Tag einen Einblick in die Geschehnisse ermöglichen. Verarbeitet werden diese Zugänge auf verschiedene Art und Weisen und Perspektiven. Damit soll die Tragweite des ‚Black-July‘ verdeutlicht werden.