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Für immer…

„Mein Bruder hat angerufen. Unser Laden wurde in Brand gesetzt. Ich fahre kurz zu ihm. Schließ die Tür ab und öffne sie niemandem“, sagte mein Mann und drückte mich ganz fest an sich. Bevor er das Haus verließ, schaute er mir ganz tief in die Augen. Ich konnte die Angst an seinen Augen ablesen. Ich hatte ein verdammt komisches Gefühl. Ein Gefühl, das mich das Schlimmste befürchten ließ.

Draußen war es still. Niemand traute sich, das Haus zu verlassen, denn man war nicht einmal in seinen eigenen vier Wänden sicher. Maskierte Schlägertruppen trieben draußen ihr Unwesen. Sie steckten alles in Brand, was uns Tamilen gehörte. Man konnte immer nur beten, dass das Grauen ein schnelles Ende nimmt.

Ich hatte Angst. Ich hatte Angst, alleine zu sein. Ich wusste, dass ich nicht ganz alleine war, aber ich fühlte mich unsicher. Irgendetwas sagte mir, dass etwas Schreckliches passieren würde. Um mich abzulenken, schaute ich mir unsere Hochzeitsfotos an. Sie zauberten mir immer ein Lächeln ins Gesicht, doch heute wurde ich dieses seltsame Gefühl einfach nicht los.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Ich erschrak. Mein Herz begann, wie wild zu pochen. Ich hörte Stimmen. „Wir wissen, dass ihr da seid! Macht die Tür auf!“ Ich rannte ins Schlafzimmer und versteckte mich hinter dem Bett. Auf einmal hörte ich die Tür aufspringen. Geschirr und Möbel wurden durch die Luft geworfen. Ich nahm wahr, wie alles zerbrach. Ich hörte Schritte. Schritte, die immer näher kamen.

Ein schwarz gekleideter, breit gebauter Mann betrat das Schlafzimmer. Ich machte mich ganz klein, um nicht entdeckt zu werden. Doch er fand mich. „Wieso versteckst du dich vor mir? Komm her! Ich tue dir nichts.“ Ich saß da wie angewurzelt. Er begann immer lauter zu werden. „Komm her, habe ich gesagt!“ Er packte mich an den Haaren und schlug mich gegen die Wand. Blut floss an meinen Beinen hinab. Ich wusste, dass dies das Ende meiner kleinen Prinzessin war. Sie würde niemals die Welt erblicken. Ich hatte so viele Vorstellungen gehabt. Alle wurden zerstört. Ich war innerlich tot.

Er schmiss mich aufs Bett und nahm sich, was er wollte. Ich lag regungslos da. Der Verlust meiner Kleinen und der körperliche Schmerz ließen mich verstummen. Er packte mich, warf mich draußen auf den Boden und verschwand. Ich sah weinende Menschen um mich. Das Bild wurde immer unklarer und meine Augenlider immer schwerer. Dann fielen sie zu. Für immer.

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