24.07.1983 – Tagebucheintrag

Als wir von den Unruhen in den Straßen Colombos hörten, zögerten wir keine Sekunde und machten uns auf dem Weg zu unseren Verwandten im Norden. Mein Vater verriegelte seinen Fahrradladen so sicher wie möglich, in der Hoffnung, dass dieser nicht wie viele andere von Tamilen betriebenen Geschäfte, niedergebrannt wird. Für unser Geschäft haben wir vieles riskiert und Unmengen an harter Arbeit reingesteckt. Zweifellos wird mit den Einnahmen eine vierköpfige Familie ernährt.

Wir brachen am Morgen des 24. Juli 1983 vom Fort Railway Station auf. Wir nahmen den Zug Richtung Jaffna. Der Zug war voller als üblich, stickig und eng. Doch ich hätte nie gedacht, dass dieser Tag zu meinem schlimmsten Tag im Leben werden würde.

Die Zugfahrt nach Jaffna hätte normalerweise etwa vier bis fünf Stunden gedauert. Doch bereits nach einer Stunde Fahrt, musste der Zug wegen einer angeblichen Kontrolle angehalten werden. Die Angst stieg von Minute zu Minute. Wir wussten nicht, ob wir jemals lebend ankommen würden. Plötzlich hörten wir Schreie aus dem vorderen Wagon. Keiner wusste warum. Alle Türe und Notausgänge waren versperrt. Im nächsten Augenblick sahen wir aus unserem Fenster, wie Fahrgäste teilweise mit Kindern von einem singhalesischen Mob herausgezerrt wurden. Panik brach auf und alle verloren ihre Beherrschung. Meine kleine Schwester und meine Mutter weinten und zitterten überall am Körper. Mein Vater schrie um Hilfe. Ich saß nur regungslos da und spürte wie schnell mein Herz pochte, als würde es jeden Moment explodieren. Es gab keinen Ausweg.

Unsere Eltern forderten uns auf, uns unter den Sitzen zu verstecken. Wir mussten ihnen versprechen, dass egal was mit ihnen passiere, wir uns nicht zeigen durften. Ich betete, dass es nicht dazu kommen darf. Meine Gebete wurden jedoch nicht erhört. Es ging alles schnell. Meine Schwester und ich sahen vom Gepäckabteil aus, hinter dem wir uns versteckten, wie sie unsere geliebten Eltern herauszerrten. Ihre Schreie sind in meinem Kopf eingebrannt. Irgendwann wurde es ruhiger und der Zug fuhr weiter. 12 unschuldige Menschen wurden an jenem Tag getötet. Menschen, die in ihrem eigenen Land flüchten mussten. Darunter unsere Eltern, die uns als Weisenkinder zurücklassen mussten.