27. Februar 2009 – Ein Zeugenbericht

Folgender Vorfall geschah am 27. Februar 2009 gegen 19 Uhr. Ich kam gerade aus dem Krankhaus, in dem ich ehrenamtlich tätig war und war auf dem Nachhauseweg. Ich nahm eine Abkürzung, welches durch ein weites Feld führte. Plötzlich hörte ich Schreie und Schüsse. Aus Angst verließ ich den Feldweg und versteckte mich hinter einem Busch. Ich sah mehrere entblößte Männer, deren Augen verbunden waren und vier bewaffnete Soldaten, die einen Teil der Geisel befahlen, sich hinzusetzen. Ich erkannte, dass auf dem Boden die Leichen von drei erschossenen Männern lagen. Ich kam wohl in dem Moment, als der vierte an der Reihe war. Er wurde auf den Boden gezerrt. Der Mann bettelte um Gnade. Die Soldaten machten sich darüber lustig. Sie sprachen auf Singhalesisch. In etwas weiterer Ferne sah ich, wie ein weiterer Soldat das Geschehen mit einem Mobiltelefon aufnahm. Der Soldat mit der Waffe wartete nicht lang und drückte ab.

Ich war wie versteinert und traute mich nicht, mich zu bewegen. Ich hatte Angst, dass man mir das gleiche antut. Drei Männer waren noch übrig. Ich kam ins Grübeln. Ich wusste nicht, ob und wie ich ihnen helfen konnte, ohne mein eigenes Leben zu riskieren. Mir war auch klar, dass mein Gewissen mich nicht in Ruhe lassen würde. Doch im Höhepunkt eines Krieges kann man kaum zwischen richtig und falsch unterscheiden. Ich entschied mich, davonzuschleichen, bevor die Soldaten meine Anwesenheit bemerkten.

Als Vater und Ehemann konnte ich mein Leben nicht aufs Spiel setzen. Doch die entblößten Männer mit den verbundenen Augen hatten vielleicht auch eine eigene Familie. Entweder hätte ich ihr Leben retten können und dafür meins geopfert oder alle wären Opfer dieses grauenvollen Geschehens geworden. Ich werde nie erfahren, was tatsächlich mit den restlichen Männern geschehen ist – doch vermuten kann ich es allemal. Die Bilder vom 27. Februar 2009 werden unvergessen bleiben und mein Gewissen mich bis zum Grab begleiten.

About Author

Connect with Me:

Leave a Reply