Der Genozid in Ruanda

Ruanda – ein Land im Herzen Afrikas, das für ihre unberührte Wildnis und ihre herrlichen Landschaften bekannt ist. In den 80er Jahren etablierte sich Ruanda als beliebtes Touristenziel. Dieses Bild wurde am 6. April 1994 durch das Massaker der extremistischen Hutus an hunderttausende Tutsis, 2 Bevölkerungsgruppen in Ruanda, ein für alle Mal zerstört. Das Grauen des Völkermordes brachte für 75% der Tutsi-Bevölkerung den Tod. Auslöser des Völkermordes war der Abschuss des Flugzeuges, in dem Juvénal Habyarimana, Staatspräsident der Hutu, und sein burundischer Amtskollege saßen. Die Frage, wer für dieses Attentat verantwortlich ist, wurde bis heute noch nicht geklärt. Angehörige der Hutu-Bevölkerung machten jedoch die Tutsis für den Tod ihres Präsidenten verantwortlich. Dieser Flugzeugabsturz hatte eine Hetzjagd der Hutus auf die Tutsi-Minderheit zur Folge. In den folgenden drei Monaten wurden 2 Millionen Tutsis aus ihrem eigenen Land vertrieben und eine Million auf brutalste Weise ermordet.

Der Konflikt zwischen den Hutus und den Tutsis reicht weit in die Vergangenheit zurück: In der Vorkolonialzeit erlangten die reichen Tutsis, die sich mit der Viehzucht befassten, zunehmend Macht über die Ackerbauern, welche die Hutus waren. Zwischen 1884 und 1914 war Ruanda eine deutsche Kolonie und wurde danach dem Völkerbund Belgien zugesprochen. Innerhalb des Herrschaftsgebiets begann eine starke Differenzierung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Dadurch, dass die beiden Kolonialmächte mit den herrschenden Adelsfamilien der Tutsi paktierten und sie mit Privilegien ausstatteten, verschärften sie die Benachteiligungen der Hutu-Bevölkerung. Zudem ließen die Belgier die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Gruppen in die Ausweise eintragen. Es gab zahlreiche Aufstände der Hutus, die jedoch erfolglos blieben. Erst nachdem die Tutsi-Regierung die Unabhängigkeit von Belgien forderte, versuchten die Belgier, ihre Macht zu behalten, indem sie die Aufstände der unterdrückten Hutus förderten. Infolgedessen kam es 1959 zum ersten Völkermord an die Tutsis, der 50.000 Menschen das Leben kostete.

Selbst nach der Unabhängigkeit Ruandas am 1. Juli 1962, bei der die Hutus an die Macht gelangten, setzten sich die Übergriffe auf die Tutsis fort. Anfang der 90er Jahre lebten Schätzungen zufolge 600.000 Flüchtlinge der Tutsi-Minderheit in den Nachbarstaaten von Ruanda. Die Ruandische Patriotische Front (RPF), der sich Angehörige der Tutsis anschlossen, um die Hutu-Regierung zu stürzen, verübte immer wieder Angriffe auf Ruanda. Durch die militärischen Erfolge der RPF war der damalige Präsident von Ruanda 1993 zum Friedensvertrag von Arusha gezwungen, der den Waffenstillstand unter UN-Beobachtung besiegeln und die Tutsis in die Regierung einbinden sollte. Viele Tutsis dachten, dass damit endlich Frieden einkehren würde. Jedoch löste dieser Beschluss große Widerstände bei den Hutus aus: Die Angst, noch ein weiteres Mal die unterwürfige Rasse zu sein, verstärkte die rassistische Propaganda gegen die Tutsi-Bevölkerung, bis der Konflikt am 6. April 1994 eskalierte: Ruanda wird in dem Blut von hunderttausenden Menschen getränkt.

Menschen, die sich in ihren Papieren als Tutsi ausweisen konnten, mussten um ihr Leben fürchten. Innerhalb von 100 Tagen wurden zwischen 800.000 und eine Million Tutsis unter dem Verdacht der Ermordung des Präsidenten der Hutus auf eine unmenschliche Art und Weise getötet. Viele von ihnen wurden erbarmungslos erschossen, erwürgt und mit Hämmern und Äxten erschlagen. Männliche Tutsis wurden vor den Augen ihrer Frauen und Kinder skrupellos gefoltert und ermordet. Die Verfolgten versuchten in Schulen und Kirchen zu fliehen, worin sie oftmals keinen Schutz fanden. Die Hutu-Miliz setzte Vertreibung, Folter, Ausbeutung und Vergewaltigung an Tutsi-Frauen als Kriegswaffe ein, um die Tutsis systematisch auszulöschen. Insbesondere Frauen litten unter der schweren körperlichen und seelischen Folter und haben bis heute mit den traumatischen Erlebnissen zu kämpfen. Viele von ihnen konnten den Gedanken nicht ertragen, das Kind eines Mörders auf die Welt zu bringen und entschieden sich oftmals für einen tödlichen Schwangerschaftsabbruch. Vergewaltigungsopfer, die sich für das Kind entschieden, sind einem Leben ohne Perspektive und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt. Auch die Kinder der Vergewaltigungsopfer haben mit den schweren Folgen des Genozids zu kämpfen. Diese müssen sich einem Leben ohne Liebe und Zuneigung hingeben, denn sie erinnern die Frauen zu sehr an die Vergangenheit – eine Vergangenheit in grenzenlosem Hass und dem Wunsch nach Zerstörung.

Die gezielte Einsetzung dieser Methoden, die eine systematische Auslöschung sowohl unmittelbar als auch in Form von Spätfolgen darstellen, ist ein grundlegender Beweis für einen Genozid. Erst Mitte Juli 1994 ist es der RPF gelungen, das Land unter Kontrolle zu bringen und so dem Völkermord an die Tutsis ein Ende zu setzen. Bis heute sind die Wunden der schrecklichen Ereignisse noch nicht verheilt. Überlebende haben mit den traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit zu kämpfen. Der Genozid hat viele Kinder zu Waisen und Flüchtlingen gemacht. In einem Interview der Organisation “Save The Children” zum 20. Jahrestag des Genozids in Ruanda erzählte ein Überlebender, dass er damals mit ansehen musste, wie seine Eltern ermordet wurden. Er selber konnte mit seinen Geschwistern in ein Waisenhaus fliehen: “Ich war dabei, als meine Eltern am 11. April 1994 beim Massaker getötet wurden. Ich konnte mich unter den Leichen verstecken. Es war, als würde mich Gott persönlich verstecken. Ich konnte fliehen und rannte so lange, bis ich zu den Militärkasernen gelangte.”

21 Jahre sind vergangen, seitdem Ruanda vom Massaker heimgesucht wurde. Heute wird nicht mehr zwischen Tutsis und Hutus differenziert, doch weiß jede Familie welcher Gruppe sie angehört. Heute gedenken wir all den Opfern, die in dem seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg zwischen den Bevölkerungsgruppen in Ruanda ums Leben gekommen sind.

Quellen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/voelkermord-in-ruanda-trauer-um-die-opfer-am-20-jahrestag-a-963011.html
http://www.spiegel.de/fotostrecke/ruanda-fotos-von-ueberlebenden-des-voelkermords-vor-20-jahren-fotostrecke-113053-6.html
http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/politik/Der-Voelkermord-in-Ruanda-article65805.html
http://www.welt.de/geschichte/article126452097/Macheten-und-Sensen-Bilder-vom-Ruanda-Genozid.html
http://www.tagesschau.de/ausland/ruanda-interview-mujawayo100.html
http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/136925/index.html

Internationaler Denkmaltag

Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) hat in Zusammenarbeit mit der UNESCO im Jahr 1982 den „Internationalen Denkmaltag“ eingeführt. An diesem Jahrestag sollen die Denkmäler in aller Welt und die Anstrengungen des ICOMOS, die sich für den Schutz und die Pflege von Denkmälern einsetzt, im Blickpunkt stehen.

Ein Denkmal erinnert an ein historisches Ereignis, eine Person oder einen Zustand der Vergangenheit. In Tamil Eelam wurden die verstorbenen Helden (Maveerar) in speziellen Ruhestätten beigesetzt und mit einem Grabstein versehen. Diese Denkmäler, hinter denen sich bedeutende Erinnerungen verbergen, wurden von der srilankischen Armee mutwillig zerstört. Internationale zivile Normen schreiben vor, dass Kriegsgefangene, Kriegsversehrte und Kriegsgedenkstätten respektiert werden müssen, egal welcher Seite sie angehören. Die Eelam Tamilen, die die Friedhöfe als heilige Orte ansehen, sind erschüttert, diese Orte zerstört vorzufinden. Das gelte besonders für die politischen Freiheitskämpfer des Volkes, an die das Denkmal erinnern soll. Etliche dieser Ruhestätten werden mittlerweile von der srilankischen
Armee als Stützpunkte oder Sportplätze verwendet.

Die srilankische Regierung erhofft sich durch die Zerstörung der Denkmäler, die eelamtamilische Identität zu zerstören und die Maveerar in Vergessenheit zu bringen. Doch auch wenn Erinnerungen zerstört worden sind, werden die Heldentaten immer in den Köpfen der Menschen bleiben.

Die Ehrenstätten waren die einzigen Orte, an denen die Angehörigen um ihre Helden trauern konnten. Die Helden werden jährlich am ‚Maveerar Naal‘ – Heldentag, der immer am 27. November stattfindet, geehrt. Dabei kommen Eelamtamilen aus dem ganzen Land zusammen, um gemeinsam an die verstorbenen Helden zu gedenken. Durch die Zerstörung der Denkmäler in Sri Lanka wird somit den beheimateten Tamilen dieses Recht auf Trauer verwehrt.

Auch wenn es in Tamil Eelam verboten ist, an die Maveerar zu gedenken, wollen wir sie hier in der Diaspora nicht vergessen, denn sie haben sich für uns, die Eelamtamilen, aufgeopfert. Der Frohnhauser Bildhauer Georg Schaab hat eine zwölf Tonnen schwere Skulptur realisiert, die November 2014 auf dem Südwestfriedhof in Fulerum eingeweiht wurde. Das Denkmal besteht aus hellem und schwarzem Granit und wiegt inklusive Fundament rund zwölf Tonnen. Das Denkmal soll folgenden Tamilen-Generationen zur Erinnerung dienen.

Schaab hat auf den Seiten des Sockels die Namen von 27 Friedhöfen und den zugehörigen Bundesstaaten, in denen sie sich befanden, eingraviert. Auf der Vorderseite steht „Damit wir niemals vergessen“ auch in tamilischer Schrift. Die stellte den Bildhauer vor eine besondere Herausforderung. „Wir haben kleine Originalsteinchen von den Friedhöfen, die die Menschen außer Landes geschmuggelt haben. Die werden mit Spezialkleber neben den jeweiligen Friedhofsnamen angebracht“, erläutert der Bildhauer sein Werk.

Eelamtamilen aus Ganzdeutschland reisen zu dieser Gedenkstätte, um an ihre Angehörigen und Helden zu gedenken. Denkmäler dienen zusätzlich auch als historische Beweise. Auch die folgenden Generationen sollen das Recht haben die Historie ihres Volkes kennenzulernen. Wir hoffen, dass wir eines Tages all die Denkmäler und Grabstätte in Tamil Eelam wieder errichten können und somit dem eelamtamilischen Volk einen Ort bieten können, um an die wertvollen Menschen zu gedenken.