Anton Balasingham

Anton Stanislaus Balasingham, auch bekannt als Bala Anna, geboren am 04. März 1938, war ein leitender politischer Stratege und Verhandlungsführer der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE). Zunächst arbeitete er als Journalist bei einer tamilischen Zeitung, später als Diplomat im britischen Konsulat in Colombo. Er befasste sich ausführlich mit Philosophie und Religion und kam zu dem Entschluss, dass die Vorgehensweise der sri-lankischen Regierung gegen das tamilische Volk nicht dem buddhistischem Glaube entspreche.

Er beteiligte sich aktiv an vielen Friedensverhandlungen und setzte sich für die Rechte seines Volkes ein. Bekannt wurde er unter anderem durch die Pressekonferenz 2002 in Kilinochchi. Dort beantwortete er zusammen mit Velupillai Prabhakaran, dem Anführer der LTTE, Fragen von Journalisten aus aller Welt. Dies zeigte der Welt, dass die LTTE dem Blutvergießen ein Ende bereiten wollte. So kam es im Jahre 2002 zu den Friedensverhandlungen zwischen der srilankischen Regierung und der LTTE, bei der die norwegische Regierung als Vermittler fungierte und Anton Balasingam offiziell als diplomatischer Vertreter der LTTE anerkannt wurde.

Auch als sich seine gesundheitliche Situation in den Folgejahren drastisch verschlechtert hatte, waren seine Gedanken stets dem Wohlergehen des tamilischen Volkes gewidmet: „Es ist eine unglückliche persönliche Tragödie. Doch verglichen zu der gewaltigen Tsunami -Katastrophe, welcher meine Leute gegenüberstanden, ist meine Krankheit bloß eine Kleinigkeit. Ich bin zutiefst traurig, dass ich durch die Krankheit angeschlagen und nicht in der Lage bin, einen wesentlichen Beitrag zur Minderung des Leids und der Unterdrückung der Tamilen zu leisten.“ Am 14. Dezember 2006 verstarb er mit 68 Jahren an den Folgen von Krebs. Der Tod von Balasingham ließ die in der Heimat als auch die in der Diaspora lebenden Eelamtamilen zutiefst erschüttern. Nach seinem Tod erteilte man ihm den Titel „Stimme der Nation“.

Tag der Menschenrechte

Was sind Menschenrechte? Menschenrechte sind Grundrechte, die allen Menschen – unabhängig von Faktoren wie Staatsangehörigkeit, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Alter oder sozialem Status – eine Existenzgrundlage garantieren sollen.

Nun sind 70 Jahre her, dass die UN die allgemeine Erklärung dieser Menschenrechte verabschiedete und diesen Tag zum internationalen Tag der Menschenrechte erklärte.

Werden diese Menschenrechte auch weltweit eingehalten? Nein! Hunderttausende und sogar Millionen von Menschen flüchten bis heute aus ihrer eigenen Heimat wie Afghanistan, Syrien, Myanmar und Sudan, weil ihr Leben dort jede Sekunde gefährdet ist. Auch in Sri Lanka, eine kleine Insel in Südostastien, die meistens nur als Urlaubsziel bekannt ist, werden die Menschenrechte nicht beachtet. Während des Bürgerkrieges gegen die Eelam Tamilen bis 2009 kam es zu zahlreichen Fällen von Verschwindenlassen, außergerichtlicher Tötung, Folter, Misshandlungen und Zwangsrekrutierungen, die die sri-Lankische Regierung auf die Tamilen ausübte.

Im Jahre 2015 wurde die Resolution 30/1 vom UN-Menschenrechtsrat verabschiedet, die die Regierung Sri Lankas dazu verpflichtete für Wahrheit, Gerechtigkeit und Gesetzesreformen zu sorgen, die sicherstellen sollten, dass solche Verbrechen sich nicht wiederholen. Trotz allem kommt es im Land kontinuierlich zu Menschenrechtsverletzungen seitens der sri-lankischen Armee. Sexuelle Belästigungen und Gewalt auf Mädchen und Frauen, Verschwindenlassen und Entführungen von Personen, die in Verdacht stehen gegen die Regierung gearbeitet zu haben und viele weitere Situationen, die verdeutlichen, dass die Menschenrechte der sri-lankischen Regierung wenig wert sind. Dagegen zu kämpfen, bleibt die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, um allen Menschen auf dieser Welt eine Existenzgrundlage zu bieten.

Der Tag der tamilischen Freiheitskämpfer (Maaveerarnaal)

Heute, am 27.11.2018 gedenken die Eelamtamilen weltweit an die gefallenen Freiheitskämpfer der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) und alle Menschen, die ihr Leben im Kampf für Frieden und Freiheit geopfert haben.

Da die friedlichen Proteste der Eelamtamilen in den 50er Jahren gewalttätig durch das srilankische Militär (SLA), im Auftrag der srilankischen Regierung, niedergeschlagen wurden, waren die Eelamtamilen gezwungen zu den Waffen zu greifen. In den 70er Jahren entwickelten sich viele unterschiedliche Gruppierungen. Doch die LTTE war die einzige, die sich langfristig unter dem Volk behaupten konnte. Diese Organisation zeigte keinerlei Unterschiede zwischen ihnen und dem Volk. Die LTTE bestand nicht nur aus reinem Militär, sondern hatte eine ausgebaute Infrastruktur in verschiedenen Bereichen, sodass sie als eigener Staat fungieren konnte. Die Organisation begann rasch zu wachsen, da das Verlangen nach einem freien, souveränen und selbstbestimmten Staat immer größer wurde. Es waren junge Menschen, die dem tamilischen Volk wieder Hoffnung und Bedeutung gaben. Man fühlte sich nicht mehr wie ein hilfsloser Flüchtling oder Gefangener im eigenem Land, sondern wie ein Angehöriger eines Volkes. Ein Volk, eine Nation, das auch das Recht hat seine Sprache, Kultur und Traditionen frei auszuüben.

Am 27.11.1989 ernannte der Anführer der Liberation Tigers of Tamil Eelam Velupillai Prabhakaran diesen Tag offiziell zum „Tag der tamilischen Helden“ (Maaveerarnaal). Jeder einzelne Freiheitskämpfer hatte zwar im Jahr seinen eigenen Gedenktag, aber es sollte einen Tag geben, an dem man an alle Märtyrer gemeinsam gedenkt. Dieser Tag fiel auf den Gedenktag des ersten gefallenen Freiheitskämpfers Leutnant Shankar, der am 27.11.1982 sein Leben für die tamilische Freiheit opferte.

Der „Tag der tamilischen Helden“ sollte keineswegs als Trauertag verstanden werden. „Der Tag der Maaveerar ist kein nationaler Trauertag. Es ist kein Tag der Trauer, an dem wir unsere Tränen vergießen und uns traurig fühlen. Es ist ein Tag des nationalen Erwachens. Ein revolutionärer Tag, an dem sich unsere Nation auf die Unabhängigkeit besinnt“, beschreibt der Anführer der LTTE Hon. Veluppillai Prabhakaran den Tag der Helden.

Zudem zeigt der Tag, dass jeder einzelne Freiheitskämpfer jedem anderen gegenüber gleichgestellt ist. Das Leben jedes einzelnen Freiheitskämpfers war wertvoll, unabhängig des Geschlechts oder der Religion.

Ab 1990 wurde der „Tag der tamilischen Freiheitskämpfer“ mit vollem Respekt und Stolz weltweit jährlich veranstaltet. Im Jahr 2008 wurde dieser Tag das letzte Mal in Tamil Eelam großem Stil veranstaltet. Es blieb jedoch das letzte Mal in Tamil Eelam, da danach die Regierung mithilfe des srilankischen Militärs zahlreiche Ruhestätten der Helden zerstört hatte. Durch die ständigen Angriffe des Militärs sind die Eelamtamilen verhindert, ihre Helden zu ehren. Dies ist nur noch im Geheimen zu Hause möglich. Aber auch dies ist noch mit einem großen Risiko verbunden. Das Militär versucht weitgehend alle Haushalte zu überwachen, sodass keine Gedenkfeier veranstaltet werden kann. Trotz der Angst vor Repressalien gehen mittlerweile wieder viele Menschen an diesem besonderen Tag zu den ehemaligen Ruhstätten.

Die tamilische Diaspora veranstaltet diesen Tag weiterhin mit viel Respekt und Stolz, da diese nicht den direkten Einschüchterungen des srilankischen Militärs ausgesetzt sind. Bis 2008 gab es jährlich eine Rede des Anführers der LTTE, auf die jeder einzelne Eelamtamile gespannt wartete. Sie enthielt meist vorausschauende, zukunftsweisende Worte. Es waren Worte, die die Eelamtamilen in der Heimat und in der Diaspora vereinten.

In Anlehnung an den „Tag der tamilischen Helden“ wird im November die „Maaveerarwoche“ (Maaveerarvaaram) veranstaltet, in der die Familienangehörigen der Freiheitskämpfer geehrt werden. Tamilische Jugendliche in der Diaspora gehen in der Maaveerarwoche sozialen und ehrenamtlichen Aktivitäten nach, um ein symbolisches Zeichen zu setzen.

Das Gedenken an die Helden, die ihr Leben aufgeopfert haben, kann durch Niemanden unterdrückt werden. „Die Maaveerar, die für die Unabhängigkeit, die Ehre und die Sicherheit des tamilischen Volkes ihr eigenes Leben geopfert haben, sollten über für alle Ewigkeit im Tempel unseres Herzens verehrt werden“

–  Hon. Veluppillai Prabhakaran.

Auf Ewig ehren wir unsere Maveerar

Sie nahmen den Tod in Kauf

Ihre Zukunft gaben sie für uns auf

Für das Eelamtamilische Volk kämpften Sie um die Freiheit

Auf Ewig ehren wir unsere Maveerar für ihre Selbstlosigkeit

 

Früh begann der Kampf gegen die Unterdrückung

Unsere Maveerar verloren nie die Hoffnung

Tamileelam ist das größte Ziel

Ganz egal wie oft ein Maveerar fiel

 

Sie ebneten uns den Weg, gaben uns Kraft und Mut

Dafür vergossen sie ihr Blut

Jegliche Zweifel an die Freiheit der Eelamtamilen, ersticken wir im Keim

Euer Kampf wird Geschichte schreiben, es wird in Stein gemeißelt sein

 

Maveerar sind unsere Helden

Immer werden sie in unseren Erinnerungen schwelgen

Gerechtigkeit ist die Antwort auf das Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Auf Ewig ehren wir unsere Maveerar für den Kampf um die Freiheit

Maaveerar

Es ist November. Für uns Tamilen ist es der Monat der Helden, auch weit bekannt als Heroe’s Month. Das Erste, was uns Tamilen bei Beginn des Novembers in den Sinn kommt, sind unsere Maaverar. Doch wer sind diese?

Es sind Menschen wie DU und ich: Jemandes Sohn oder Tochter, Bruder oder Schwester, Enkelkind oder auch Elternteil. Doch es sind vor allem Menschen, die ihr wertvolles Leben einem höheren Ziel widmeten: einem unabhängigen Staat Tamil Eelam, damit wir als Tamilen in Frieden und Sicherheit leben können. Wenn wir unsere Maveerar mit wenigen Wort beschreiben müssten, dann wären es vermutlich folgende: Hingabe, Mut, Aufopferung oder Widerstand. Maaveerar sind Freiheitskämpfer, die die Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit für unser Volk mit ihrem Leben verteidigt haben. Nahezu jede Familie in Tamil Eelam hat einen Maaveerar, welcher sein Leben für die Freiheit unseres Landes geopfert hat.

Sie verließen in jungen Jahren ihre Familien, um sich dem Freiheitskampf anzuschließen – damit DU und ich in Sicherheit sind. Sie gaben die Schule auf und zogen in den Kampf – damit wir Tamilen eine Zukunft haben und unsere Identität nicht verloren geht. Sie waren ständig auf der Flucht, gingen von einem in den nächsten Kampf – damit wir Tamilen eines Tages sagen können: „Tamil Eelam ist unsere Heimat“. Sie verbrachten Tage, Wochen, gar Monate in Wäldern – um uns Tamilen vor den Gräueltaten der singhalesischen Regierung zu beschützen. Sie erlebten Tage ohne Nahrung und Wasser – damit unser Volk eine Zukunft hat. Heute sind wir hier. Ja, wir leben! Doch was ist mit all den Helden, die sich für uns aufgeopfert haben? Hatten sie keine Träume und Wünsche? Oder gar eine Zukunft?

Veluppillai Prabhakaran, der Anführer der tamilischen Freiheitsbewegung, sagte während einer Rede am Heroe’s Day im Jahre 1997: „Unsere Befreiungsbewegung respektiert und verehrt unsere Märtyrer als Schöpfer der Geschichte unseres nationalen Kampfes. Wir gedenken unserer Helden und errichten ihnen Gedenkstätte, damit ihre Erinnerungen für immer in unseren Herzen bleiben. Es ist zu einer beliebten Norm geworden, unsere Märtyrer mit Ehre zu begraben, ihnen steinerne Denkmäler zu errichten und diese Kriegsfriedhöfe als heilige Orte der Ruhe zu verehren. Die Praxis der Verehrung des heroischen Märtyrertums ist in unserer Gesellschaft zu einer etablierten Tradition geworden“.

Doch die singhalesische Regierung hat während der brutalen Militäroffensive gegen uns Tamilen nicht mal den Ort verschont, der uns zum Trauern übriggeblieben ist. Mit der Zerstörung des Maveerar-Thuyilum-Illams (Ruheplatz der Freiheitskämpfer), einer Gedenkstätte, welches einzig für die tamilischen Freiheitskämpfer in Tamil Eelam errichtet wurde, wollte die srilankische Regierung insbesondere die Erinnerungen an unsere Maaverar auslöschen. Doch niemand kann die tausenden Thuyilum-Illangal, die wir für sie in unseren Herzen tragen, jemals zerstören. Auch wenn die sri-lankische Regierung mit allen Mitteln versucht, unsere Identität und unsere Geschichte auszulöschen, wird uns nichts daran hindern, an die gefallenen Maveerar zu gedenken.

Der 27. November ist als Tag der Helden einzig unseren Maaveerar gewidmet. Lasst uns an diesem Tag vereinen und gemeinsam an all die Verstorbenen gedenken, sie ehren und ihnen dafür danken, dass sie uns das Leben geschenkt haben.

Der tamilische Freiheitskampf

Trotz Erlangung der Unabhängigkeit in 1948 hat das tamilische Volk seither mit verschiedenen Problemen zu kämpfen, die damit begann, dass das politische System den Singhalesen überlassen wurde. Als einer der ersten Maßnahmen der damaligen neuen Regierung wurde zahlreichen Tamilen die Staatsbürgerschaft entzogen.

1956 folgte der sogenannte „Sinhala Only Act”, welcher singhalesisch als einzige Amtsprache festlegte. Daraufhin wurden Grundstücke im Norden und Osten gesetzeswidrig von der Regierung beschlagnahmt, um dort singhalesische Siedlungen aufzubauen. Zunächst versuchten die Tamilen, durch friedliche Demonstrationen auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Diese wurden jedoch von der Regierung gewaltsam niedergeschlagen und fanden kein Gehör. Es gab immer wieder Verhandlungen zwischen den tamilischen Führungen und dem sri-lankischen Staat, die letztendlich ergebnislos verliefen.

Dem tamilischen Volk wurde klar, dass die Forderung nach einem eigenen unabhängigen Staat Tamil Eelam die einzige Möglichkeit ist, wieder in Freiheit zu leben. 1977 wurde eine Volksabstimmung von tamilischen Politikern durchgeführt, die den Wunsch nach einem eigenem unabhängigen Staat widerspiegelte. Von der singhalesischen Regierung wurde dies jedoch nicht akzeptiert. Nach zahlreichen Pogromen am tamilischen Volk entschieden diese, sich die Waffen zu erheben und für ihre Rechte zu kämpfen.

Im Jahre 1976 entwickelte sich mit Unterstützung des Volkes die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam). Die LTTE war eine Bewegung, in der alle Mitglieder gleichgestellt waren, unabhängig von Geschlecht oder Religion. Sie kämpfte für das Ziel eines unabhängigen Staates, in dem man in Freiheit und Würde leben sollte. Sie war stets bemüht, durch Friedensverhandlungen dem Blutvergießen ein Ende zu setzen.

2009 wurde der offizielle Bürgerkrieg schließlich mit einem Genozid am tamilischen Volk beendet. Auch wenn der Welt eine friedliche Lage präsentiert wird, werden Tamilen immer noch systematisch unterdrückt. Die einzige Möglichkeit, dem heutigen Leiden unseres Volkes ein Ende zu bereiten, ist, für einen unabhängigen Staat zu kämpfen, in dem wir in Frieden leben können.

S.P.Tamilselvan

Tamilselvan, dessen Symbol durch das treuherzige Lächeln im Gesicht geprägt war, zählte zu den wichtigsten Akteuren der LTTE und wurde am 29. August 1967 geboren. Er war Anführer des politischen Flügels der LTTE und führte 2002 Verhandlungsgespräche mit Sri Lanka und der internationalen Gesellschaft.

Im Jahr 1983, nach dem systematischen Massaker an über 3.000 Eelam Tamilen, bekannt auch als „Black July“, schloss sich Tamilselvan der LTTE an. Er wurde zu einem der engsten Vertrauten des tamilischen Oberhauptes Velupillai Prabhakaran, erfüllte aktiv seine Pflichten als Tamile und widmete sich ganz dem Unabhängigkeitskampf Tamil Eelams. In den späten 80er Jahren wurde er zum Gebietskommandeur von Jaffna ernannt und nahm somit größere Verpflichtungen an. Nachdem er 1993 bei einem militärischen Einsatz von einer Artillerie getroffen wurde und sich am Bein schwer verletzte, entschied die tamilische Führung Tamilselvan in den politischen Flügel zu berufen. In der Folge der Zeit wurde er zu einer der wichtigsten politischen Führer der LTTE.

Während des Waffenstillstands im Jahre 2002 war er zusammen mit Anton Balasingham federführender Akteur der Verhandlungsgespräche mit der internationalen Gemeinschaft, wodurch er außerhalb Tamil Eelams ebenfalls an Bekanntheit gewann. Engagiert, einen für beide Verhandlungsseiten annehmbaren Weg aus der Gewalt zu finden, hielt er Ansprachen und Reden, die ihm viel Sympathie einbrachten. Als Anton Balasingham erkrankte, übernahm er schließlich auch dessen Aufgaben. Tamilselvans führende Position in der Politik, sowie seine Intelligenz als auch seine Begabungen sah die srilankische Regierung als direkte Bedrohung an. Gajendran Ponnambalam, zu der Zeit zuständig für Auslandsangelegenheiten der TNA, machte deutlich, dass eine gezielte Tötung des Friedensverhandlungsführers das Interesse an einem längerfristigen Frieden oder einer Lösung seitens der srilankischen Regierung eine Illusion darstelle.

Erik Solheim, Norwegens ehemaliger Minister für internationale Entwicklung und Vermittler für den Friedensprozess in Sri Lanka, zeigte sich tief betroffen über den Mord am politischen Leiter der LTTE, S. P. Tamilselvan, und sagte, er sei zutiefst beunruhigt über die Folgen der Eskalationen des Krieges in Sri Lanka. Solheim bezeichnete den Tod von Tamilselvan als großen Verlust der Freiheitsbewegung. Darüber hinaus berichtete er, dass Tamilselvan ein wichtiger Kontakt zwischen der LTTE und Norwegen in der Vermittlung im Friedensprozess gewesen sei.

Nach seinem Tod erhielt Tamilselvan die höchste Auszeichnung „Brigadier“, die innerhalb der LTTE verliehen wird. Velupillai Prabhakaran, der Anführer der LTTE, bezeichnete ihn als „Friedenstaube“. Er hat ihn nach seinem Tod in einem Schreiben an das tamilische Volk folgendermaßen beschrieben: „In seinem feinen Lächeln vergraben, erkannte ich von Anfang an tausend tiefsinnige Bedeutungen sowie seine Fähigkeiten und Führungsqualitäten. Ich zog ihn heran als großen Kommandeur, als unvergleichbaren politischen Führer und als einen Diplomaten, der mit der gesamten Welt kommunizierte, und als einen begabten Verhandlungsführer agierte. Seine Gedanken waren immer bei der Befreiung des Landes und der Menschen, die er so innig ins Herz geschlossen hatte. Er sehnte sich nach einem freien, ehrenvollen und sicheren Leben für unser Volk“.

Der Tod von Tamilselvan und fünf weiteren Mitgliedern der LTTE ließ die in Tamil Eelam als auch in der Diaspora lebenden Tamilen zutiefst erschüttern. Mit ihm ging eine einzigartige Persönlichkeit der tamilischen Freiheitsbewegung, die stets Optimismus ausstrahlte und die Fähigkeit hatte, Probleme auf eine friedliche Art und Weise zu bewältigen. Aus diesem Grund wurde Tamilselvan sowohl von den Tamilen als auch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt und respektiert. Seine Gedanken drehten sich stets um das Wohl seines Volkes.

Internationaler Tag zur Unterstützung der Folteropfer

Am 26. Juni findet der internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer statt. Dieser wurde 1987 auf der Hauptversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Dieser Tag soll darauf aufmerksam machen, dass Folter heute noch in vielen Ländern gängige Praxis ist. Unter anderem auch in Sri-Lanka.

Im Norden und Osten lebende Tamilen, die unter Verdacht stehen, Kontakt zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu haben, werden zusammengeschnürt, in weiße Lieferwagen gezerrt und in Internierungslager gebracht. Dort werden sie jahrelang festgehalten und auf brutalster Weise von Sicherheitskräften gefoltert, bis sie mit einer Unterschrift bestätigen, dass sie zur LTTE gehörten. Das Leid, das ihnen zugefügt wird, führt zu physischen als auch psychischen Schäden. Die Täter haben dabei keine Konsequenzen zu befürchten. Die Existenz solcher Internierungslager wurde von der Regierung Sri-Lankas bestätigt.

Trotz Kriegsende in 2009 ist auf der Insel noch keine Ruhe eingekehrt. Es werden heute noch Menschen willkürlich festgenommen, da das Antiterrorgesetz noch heute gilt. Jeder der es wagt, die Behörden zu kritisieren, kann aufgrund dieses Gesetztes inhaftiert werden, ohne jemals Kontakt zur Außenwelt zu erhalten. Durch eine internationale Untersuchung des Genozids am tamilischen Volk muss die Folter von unschuldigen Eelamtamilen in Zukunft verhindert werden.

„Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

(Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Artikel 5)

Mullivaikal

Mullivaikal – wenn ein Eelam-Tamile diesen Ortsnamen hörte, dachte er an einen wunderschönen Ort. Ein Ort, welches umarmt wurde vom indischen Ozean und der Lagune von Mullaitivu.

Doch nach 2009 zieht sich bei Mullivaikal jedem Tamilen der Magen zusammen. Sein Herz wird schwer und er spürt eine Mischung aus Wut und Schmerz. Einen unbeschreiblichen Schmerz, der von einem Bild des Grauens begleitet wird. Sofort sieht er das Massengrab vor sich, ein Durcheinander von Armen und Beinen von Kindern, Frauen und Männern bedeckt von Erde. Mullivaikal ist das Gesicht des Grauens, des Genozides an das tamilische Volk geworden.

Im Jahre 2009 fand das Massaker der srilankischen Regierung an das tamilische Volk im Norden und Nordosten der Insel Sri Lanka statt. Allein in der letzten Kriegsphase wurden 140.000 Tamilen auf brutalste Art getötet.

Die vor dem Krieg flüchtenden Menschen wurden in der Endphase nach Mullivaikal – der No Fire Zone – gepfercht. Sie flüchteten vor Schüssen und Bombardierungen nach Vanni, wo sich auch das Dorf Mullivaikal befindet. Dort erhofften sie sich Ruhe und Schutz und vertrauten als Alternativlosigkeit der Regierung.

Die Umarmung des indischen Ozeans und der Lagune von Mullaitivu wurde zur tödlichen Schlinge. Die Menschen konnten nicht mehr weg, da die Armee die Wege versperrte und übers Wasser keine Flucht mehr möglich war. Diese territoriale Gefangenheit nutze die sri-lankische Armee aus und bombardierte und beschoss Kinder, Frauen und Männer. Dann verscharrten sie die leblosen Körper in Massengräbern.

Mullivaikal und der 18. Mai 2009, beide stehen symbolisch für den Genozid an das tamilische Volk, welches durch die internationale Gemeinschaft allein gelassen wurde. Wir fordern eine unabhängige Investigation der brutalen Taten und wollen Konsequenzen für diese scheußlichen Taten sehen. Die UN hat die Taten lang genug verschoben. Eine Verschiebung ist als Verweigerung der Gerechtigkeit anzusehen.

An meinen geliebten Cousin in Deutschland

An meinen geliebten Cousin in Deutschland,

ich hoffe dieser Brief kommt noch an, bevor mir etwas zustößt. Ich schreibe dir diesen Brief, weil ich nicht weiß, wann und ob wir nochmal die Gelegenheit haben werden, uns zu sehen, geschweige denn miteinander zu sprechen. Wie du sicherlich mitbekommen hast, hat der Krieg seit einigen Monaten den Höhepunkt erreicht. So wie es gerade aussieht, wird sich die Lage nicht mehr beruhigen.

Wir sind bereits seit drei Wochen unterwegs. Das sri-lankische Militär schickt uns von einem Ort zum anderen. Wenn wir die Soldaten fragen, wann wir wieder nach Hause dürfen, werden sie wütend und schicken uns weg. Sie sagen lediglich, dass wir zu einer „No-Fire“-Zone geschickt werden. Das ist nun das dritte Mal. Diese Zone, welches unser nächstes Ziel ist, befindet sich in Mullivaikkal… noch nie in meinem ganzen Leben musste ich so viel laufen.

Der Hunger und der Durst sind unerträglich. Doch was all dies übertrifft, ist das Leid um mich herum. Es regnet. Ein Regen aus Bomben. So viele Leichen. So viel Blut. Täglich werden es immer mehr Tote. Die Helfer kommen nicht mehr mit. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Patienten liegen aneinandergereiht. Darunter ebenfalls Tote. Sie haben es nicht mehr geschafft. Sogar Krankenhäuser werden bombardiert. Die medizinische Versorgung wurde von der sri-lankischen Regierung gestoppt.

Mütter, die ihre toten Kinder in den armen Halten. Viele weinen. Manche sind erstarrt vor Schock. Unser aller Leben hier, hängt am seidenen Faden. Wir wissen nicht mehr wofür wir Leben. Wir sind erschöpft… Erschöpft vor der täglichen Angst um unser Leben.

Auch wenn wir nie wieder miteinander reden können, wünsche ich mir, dass du der Welt erzählst, was uns hier passiert. Was hier stattfindet, ist nicht nur ein Krieg. Wir Tamilen werden systematisch ausgelöscht. Wir können nichts dagegen unternehmen. Doch ihr Tamilen in der Diaspora könnt dafür sorgen, dass die Wahrheit ans Licht kommt und die sri-lankische Regierung von der internationalen Gesellschaft für jedes einzelne Leben was ausgelöscht wurde, büßen muss. Auch wenn ich den Glauben ans Überleben verloren habe, habe ich nicht den Glauben an die Gerechtigkeit verloren.

In Liebe,

dein Cousin