8. Todestag von Brigadier S.P Tamilchelvan

Tamilchelvan wurde am 29. August 1967 geboren und zählt zu den bedeutendsten Akteuren der LTTE. 1983 schloss er sich, nach dem systematischen Massaker, bei dem über 3000 Eelamtamilen getötet worden sind, der LTTE an und erfüllte aktiv seine Pflichten und widmete sein Leben der Unabhängigkeit der Eelamtamilen. In den 80er Jahren wurde Tamilchelvan zum Gebietsverantwortlichen Jaffnas ernannt, woraufhin größere Verpflichtungen auf ihn zukamen.

Bei einem Militäreinsatz 1993 wurde Tamilchelvan durch eine Artillerie am Bein schwer verletzt. Daraufhin entschied die LTTE, Tamilchelvan in den politischen Flügel zu berufen. In den darauffolgenden Jahren wurde er behutsam zu einem bedeutsamen politischen Führer der LTTE aufgebaut. Ab 2002 war er gemeinsam mit Anton Balasingham federführender Akteur der Friedensverhandlungsgespräche mit der internationalen Gemeinschaft und der srilankischen Regierung. Er beteiligte sich aktiv an den Gesprächen, in dem er Ansprachen und Reden hielt, um für beide Verhandlungsseiten einen kompromissbereiten Weg aus der Gewalt zu finden, wodurch er auch außerhalb von Tamil Eelam an Bekanntheit gewann. Die führende Position Tamilchelvans in der Politik, sowie seine Intelligenz und Begabungen sah die srilankische Regierung als direkte Bedrohung an.

Infolgedessen wurde Suppaiya Paramu Tamilchelvan, am 2. November 2007 mit Lt. Col. Anpumani (Alex), Major Mikuthan, Major Neathaaji, Lt. Aadchiveal und Lt. Maavaikumaran von der srilankischen Luftwaffe bei einem gezielten Angriff ermordet. Das treuherzige Lächeln Tamilchelvans, welches als Symbol für seine Persönlichkeit stand und wodurch er auch in die Herzen vieler Menschen aufgenommen wurde, erlosch an jenem Tage. Das wahre Gesicht der srilankischen Regierung wurde durch das Töten des Friedensverhandlungsführers offensichtlich. Damit brachte die Regierung zu Ausdruck, dass sie kein Interesse an einem längerfristigen Frieden hatte.

Nach seinem Tod erhielt Tamilchelvan die Auszeichnung „Brigadier“, die innerhalb der LTTE als höchster Rang verliehen wurde. Der Anführer der LTTE, V. Pirabaharan, bezeichnete Tamilchelvan als „Friedenstaube“ und beschrieb ihn nach dessen Tod wie folgt: „In seinem feinen Lächeln vergraben, erkannte ich von Anfang an tausend tiefsinnige Bedeutungen, sowie seine Fähigkeiten und seine Führungsqualitäten. Ich zog ihn heran als großen Kommandeur, als unvergleichbaren politischen Führer und als einen Diplomaten, der mit der gesamten Welt kommunizierte, und als ein begabter Verhandlungsführer agierte. Seine Gedanken waren immer bei der Befreiung des Landes und der Menschen, die er so innig ins Herz geschlossen hatte. Er sehnte sich nach einem freien, ehrenvollen und sicheren Leben für unser Volk“.

எமது பசியைப் போக்க- பட்டினியா இருந்த தியாகி திலீபன் – தமிழ் இளையோர் அமைப்பு – ஜேர்மனி

எமது இனம் அடையும் துன்பங்களை இன்றும் கேள்வியுற்று, அத்துன்பத்திற்கு முற்றுபுள்ளி வைக்க போராடும் என் அன்பிற்குரிய உறவுகளே உங்களுக்கு எமது எழுச்சி வணக்கம்.

திலீபன் என்று அழைக்கப்படும் பார்த்தீபன் இராசையா 1963 கார்த்திகை மாதம் 27ம் திகதி யாழ்ப்பாணத்தைச் சேர்ந்த ஊரெழு என்னும் ஊரில் பிறந்தார். இவர் தமிழீழ விடுதலைப்புலிகள் அமைப்பில் முக்கிய உறுப்பினராக இருந்தார். இந்திய அமைதிப்படையினரிடம் ஐந்து கோரிக்கைகளை முன்வைத்து 1987 புரட்டாதி மாதம்15ஆம் திகதி தனது உண்ணாவிரத போரட்டத்தை ஆரம்பித்தார். சிங்கள குடியேற்றம் நிறுத்தப்படவேண்டும், கைது செய்யப்பட்ட தமிழ் அரசியற் கைதிகள் விடுதலை செய்யப்பட வேண்டும், அவசரகாலச்சட்டம் நீக்கப்பட வேண்டும், ஊர்காவலர் ஆயுதங்கள் பறிக்கப்பட வேண்டும் மற்றும் தமிழர் வாழும் நிலங்களில் அமைக்கப்படும் காவல்நிலையங்கள் மூடப்பட வேண்டும் என்பனவே அவரது கோரிக்கைகளாக இருந்தன.

அவரது கோரிக்கைகள் நிறைவேறாதபொழுதும் போரட்டத்தை கைவிடாது உறுதியுடன் உண்ணாவிரத்தில்1987 புரட்டாதி மாதம் 26 ஆம் திகதி உயிர் திறந்தார். இவரது கோரிக்கைகளை  இந்திய இராணுவம்  நிறைவேற்றாது  போனமையும், அவரது உயிரை காப்பாற்றாதமையுமே   தமிழீழ விடுதலைப்புலிகளுக்கும் இந்திய இராணுவத்திற்குமிடையே  பின்னர் ஏற்பட்ட போருக்கு ஒரு முக்கிய காரணமாகும்.

 

எந்த வழியிலும் போராடலாம், ஆனால் இலக்கை நோக்கியே அப்போராட்டம் அமையவேண்டும் என்பதை எமக்கு உணர்த்தியவர் தான் எம் மாவீரன் லெப்டினன்ட் கேணல் திலீபன் அவர்கள். எம் இனத்தையும் தேசத்தையும் இன்னலில் இருந்து மீட்டெடுக்கவேண்டும் என்றே தம் இறுதி மூச்சை தியாகம் செய்தார். இன்று நாம் அவரது தியாகத்தை எல்லாம் நினைவுகூர்ந்துவிட்டு அவரது பசியை தீர்க்காது செல்கின்றோம். இதற்காகவா நாம் எல்லாவற்றையும் இழந்தோம்?இதற்காகவா எமது மாவீரர்கள் தம் வாழ்வை பொருட்படுத்தாது உயிர் நீத்தார்கள்? அவர்களது தியாகங்களை நினைவு கூர்ந்து, அவர்களது இலட்சியங்களை அடையும்வரை போராடுவோமென தமிழ் இளையோர் அமைப்பு – ஜேர்மனி இந்நாளில் உறுதியெடுத்துக்கொள்கின்றது.

„மக்கள் புரட்சி வெடிக்கட்டும் சுதந்திர தமிழீழம் மலரட்டும்“

நன்றி

தமிழ் இளையோர் அமைப்பு – ஜேர்மனி

தமிழரின் தாகம் தமிழீழத் தாயகம்

 

GEDENKEN AN LT. COL. THILEEPAN – EIN HELD, DER EHRENVOLL SEIN LEBEN DEM TAMILISCHEM VOLK OPFERTE

 

 

Thileepan Anna korrigiert

 

Heute, am 26.September, gedenken wir an einen besonderen tamilischen Helden, LT. Col. Thileepan. Einem Menschen, der sein Leben für ein freiheitliches Leben der Tamilen aufgab.

 

Der unter dem bürgerlichen Namen Rasaiah Parthipan bekannte LT. Col. Thileepan wurde am 27. November 1960 in Jaffna, Sri Lanka geboren. In den 80er Jahren war er ein politisches Mitglied der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) und speziell politischer Führer des Bezirks Jaffna.

 

Er verstarb an den Folgen eines Hungerstreiks, welches er am 15. September 1987 am Nallur Murugan Tempel in Jaffna begonnen hatte. Mit dem Hungerstreik versuchte er, ein öffentliches Bewusstsein für die politischen Forderungen zu schaffen.

 

Zu seinen politischen Forderungen zählen folgende Punkte:

 

  1. Alle Tamilen, die unter dem nationalen Terrorismusgesetz „Prevention of Terrorism Act of 1978“ in Sri Lanka verurteilt wurden, sollten befreit werden.
  2. Die Kolonisierung von Singhalesen in mehrheitlich von Tamilen bewohnten Gebieten unter dem Deckmantel der Rehabilitation sollte endgültig gestoppt werden.

 

  1. Die genannten Forderungen sollten zum Stillstand gebracht werden, bis eine Übergangsregierung gebildet wird.

 

  1. Die srilankische Regierung sollte die Entstehung neuer Polizeiwachen und Polizeilager in den nordöstlichen Provinzen stoppen.

 

  1. Die srilankische Armee und Polizei sollten sich aus Schulen in tamilischen Dörfern zurückziehen. Ebenso sollten alle Waffen, die von der srilankischen Regierung an die „Homeguards“ entsendet wurden, unter Aufsicht der indischen Armee zurückgenommen werden.

 

Thileepan stellte diese Forderungen während seines Hungerstreiks, um dem tamilischen Volk Ruhe und Frieden zu ermöglichen. Die Situation hatte sich nach der indischen Invasion verschlimmert. Die Ankunft der indischen Friedenstruppe IPKF brachte mehr Leid, als Frieden mit sich.

 

Bis heute sehnen sich die Tamilen nach einem eigenen Land, in dem sie ohne Sorgen und in Frieden leben können. Ein Land, in dem sie nicht diskriminiert werden, aus dem sie nicht flüchten müssen und in dem sie sich nicht um ihr Leben fürchten müssen.

 

Wir Tamilen werden weiter kämpfen, nicht mit Waffen, nein, sondern mit unserer Stimme. Wir werden für ein Tamil Eelam kämpfen, damit zumindest unsere nachfolgenden Generationen in Frieden leben können. Jene Mühe, all das Leid, welches Lt. Col. Thileepan für das tamilische Volk auf sich genommen hat, wird nicht fruchtlos enden.

Wie lange es auch dauern mag, werden wir ruhen, bis ein Tamil Eelam entsprießt.

 

Weltfriedenstag

Der 21. September gilt seit 1981 als „Internationaler Tag des Friedens“ und wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Dieser Tag soll genutzt werden, um die Idee des Friedens sowohl zwischen den Ländern, als auch innerhalb der Länder unter den Völkern zu stärken. Er soll den Frieden und die Gewaltlosigkeit symbolisieren und alle Nationen und Menschen auffordern, an diesem Tag jegliche Feindseligkeiten einzustellen.

Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der Macht und Geldgier über Menschlichkeit und Frieden gestellt wird. Eine Gesellschaft, in der das Wort Frieden nur ein toter Begriff zu sein scheint.

Wir dachten, dass die Menschheit mit dem 2. Weltkrieg das Schlimmste hinter sich gebracht hat. Doch was heute im 21. Jahrhundert auf dieser Erde geschieht, ist weitaus erschreckender als das, was damals geschah… denn es zeigt, dass die Menschheit aus der erschütternden Vergangenheit, geprägt von Hass, Leid und Gewalt, nichts gelernt hat.

Bereits beim Völkermord in Ruanda (1994) hat die internationale Gemeinschaft versagt und zugesehen, wie über 800.000 unschuldige Menschen getötet wurden. Doch damit hatte das Grauen immer noch kein Ende gefunden: In Mullivaikal (2009) in Sri Lanka setzte sich der Genozid an Tamilen fort, und auch dort hat die internationale Gemeinschaft nur tatenlos zugesehen, wie hunderttausende Tamilen erbarmungslos von der srilankischen Regierung getötet wurden.

Seit der Unabhängigkeit Sri Lankas im Jahre 1948 wird das tamilische Volk von der srilankischen Regierung unterdrückt und systematisch ausgerottet. Der Genozid hat insgesamt über 250.000 Tamilen das Leben gekostet. Neben der Tatsache, dass den Tamilen viele Rechte verwehrt worden sind, wurden auch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen begangen. Allein in der letzten Phase des Krieges in 2009 wurden über 140.000 Tamilen getötet und über 300.000 aus ihren Dörfern vertrieben. Unzählige Tamilen wurden in Gefangenenlagern interniert und gefoltert. Der Zustand in diesen Lagern ist katastrophal und menschenverachtend: Keine Versorgung mit Lebensmitteln, unzureichende Versorgung der Verletzten, Folter und Misshandlungen von Frauen. Schätzungen zufolge gelten seit 2009 über 146.679 Menschen als vermisst. Immer wieder werden Massengräber gefunden und ausgegraben.

Es fand ein Krieg ohne Zeugen statt. Der Genozid an den Tamilen wird bis heute von der internationalen Gemeinschaft totgeschwiegen.

Heute, am Weltfriedenstag, wollen wir, die in der Diaspora lebenden Tamilen, die Gelegenheit nutzen, um gemeinsam vor dem UN-Hauptquartier in Genf unsere Stimme für unser Volk und für die Gerechtigkeit zu erheben. Wir fordern eine internationale, unabhängige Untersuchung der Kriegsverbrechen der srilankischen Regierung gegen das tamilische Volk, die sofortige Freilassung aller politisch Gefangenen und die Beendigung der Militarisierung und Landenteignung.

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Endlich

Photo : Refugee Art Project

Endlich haben wir einen großen Schritt Richtung Freiheit geschafft. Weg von den Bomben, weg vom Krieg. Vater hatte uns Tickets für die Überfahrt nach Europa besorgt. Es waren unsere Tickets in das sichere Leben.

Die Menschen um uns herum lachen und freuen sich. Es ist so, als sei man auf dem Weg in den Urlaub, doch die gute Laune der Menschen an Bord ist nur von kurzer Dauer, denn alle haben Angst. Angst davor, von der Küstenwache gefasst zu werden und wieder mitten in den Krieg zurück zu müssen. Wir haben Glück und kommen unerkannt Europa näher.

Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen und gegen die Wand geschleudert. Ein Gewitter so stark, wie ich es noch nie erlebt habe. Die Wellen peitschen und das Schiff wankt. Wieder bei Bewusstsein sehe ich um mich weinende Frauen, Männer und Kinder meines Alters. Angehörige sind vom Schiff gefallen und weitere Leute sind hinterhergesprungen, um sie zu retten. ‚In dem Gewitter werden sie keine Chance haben‘, sagte mir mein Gefühl. Ich klammere mich vor Angst an Vater. Ich will doch nur ein normales Leben führen. Ein Leben in Sicherheit ohne Krieg und Tod. Der Leidensweg in die Sicherheit hat bereits vielen Freunden und Bekannten das Leben gekostet. In den Armen meines Vaters schlafe ich ein, in der Hoffnung, dass bald alles gut wird.

Die Sonne blendet mich. Ich höre jubelnde Menschen. Wir haben es geschafft. Wir sind in Deutschland! Ich sehe Menschen, die uns willkommen heißen, und Kinder in meinem Alter, die mir Süßigkeiten und Wasser geben. Fühlt sich so die Sicherheit an? Ich hoffe es und möchte endlich mein neues Leben ohne Krieg beginnen.

Die Frau des Vermissten

Der Gang zur Arbeit wurde immer unangenehmer. Ich hatte diesen Beruf auserwählt, um Menschen zu helfen. Seit dem offiziellen Kriegsende im Jahre 2009, gab ich Menschen aber nur Schmerz und Enttäuschung. Die srilankische Regierung war auch nicht bereit mit uns zu kooperieren.

Täglich kamen Hunderte von Menschen zum Vermisstenzentrum mit der Hoffnung ihre Liebsten zu finden. Jedes Mal musste ich sie enttäuschen, denn wir wussten selbst nicht, was mit 146.679 Menschen nach 2009 geschehen ist. Das viele von ihnen nicht mehr am Leben sind, konnte man erahnen, jedoch brauchten wir Bestätigungen, um es offiziell zu machen.

Über 6 Jahre warteten schon etliche Menschen auf die Rückkehr ihrer Familienangehörigen. So auch die junge Frau Selvi. Jeden Tag kam sie zu uns und flehte uns an ihren Mann zu suchen. Es zerriss mein Herz sie immer wieder erneut wegzuschicken. Schließlich war ich auch kein Unmensch. Jeder Mensch kannte nun mal das Gefühl einen Menschen dermaßen zu vermissen. Es ist ein Gefühl voller Schmerz. Schlimmer jedoch ist die Ungewissheit, ob die Person überhaupt am Leben ist.

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Zwei Wochen später erreichte uns die Nachricht, dass Selvis Ehemann bereits im Mai 2009 durch die srilankische Armee erschossen worden sei. Sein Tod konnte nun nach Jahren von seinen engsten Freunden bestätigt werden.

Mir ging nur ein einziger Gedanke durch den Kopf: Wie überbringe ich Selvi diese Hiobsbotschaft?
Sie hatte doch erst wenige Monate vor seinem Verschwinden geheiratet. Sie hatten noch ihr ganzes Eheleben vor sich.

Ich wischte meine Tränen weg und raffte mich auf. Ich musste stark bleiben. Ich kannte Selvi aus der Kindheit. Wir besuchten die gleiche Schule. Sie war immer ein aufgeweckter und lebensfreudiger Mensch gewesen. Nun musste ich ihr die letzte Hoffnung, die sie am Leben hielt, auch noch nehmen.

Die Uhr schlug acht. Ich wusste, dass sie jeden Moment kommen würde. Mein Herz begann zu rasen. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Es gehörte zwar langsam zu meinem Alltag schlechte Nachrichten zu überbringen, jedoch war es jedes Mal ein erneuter Kampf mit mir selbst.

Es klopfte an meiner Tür und herein kam eine erschöpfte, junge Frau. Selvi nahm Platz und erkundigte sich nach Neuigkeiten.
Ich versuchte ihr die Nachricht schonend beizubringen. Aber wie sollte man jemandem den Tod eines wichtigen Menschen schonend beibringen?
Selvi begann fürchterlich zu weinen. „Bist du dir sicher? Sucht bitte weiter. Er ist bestimmt noch am Leben.“
„Es tut mir leid, seine Leiche wurde bereits identifiziert. Es handelt sich hierbei um keine Verwechslung, wie sehr ich mir das auch für dich wünschen würde.“

Ohne auch ein weiteres Wort zu erwähnen, stand sie auf und ging nach draußen. Als ich ihr meine Hilfe anbot, lehnte sie ab.Sie setzte sich auf die Treppe vor dem Eingang und weinte. Sie saß Stunden lang da ohne etwas zu sagen. Plötzlich fing sie an zu fluchen.

„Der Krieg nahm mir meine Familie, mein Haus und meine Arbeit. Mein Mann war der einzige Grund, warum ich noch am Leben war. Aber auch er wurde mir genommen. Ein Staat sollte seinen Bürgern Schutz gewähren und nicht alles nehmen, was sie haben. Ich wollte doch nur ein einfaches Leben führen, war das zu viel verlangt? Ein Leben in Frieden. Jetzt bin ich ganz alleine und habe rein gar nichts mehr.

Wieso spricht man von Menschenrechten, wenn man diese sowieso nicht beachtet. Ich bin kein Einzelfall, der hier so leidet. Es leiden Tausende von Menschen mit mir. Was uns gegeben wird, ist nur ein “Internationaler Tag der Verschwundenen“. Wenn auf dieser Welt Menschlichkeit existieren würde, bräuchten wir diesen Tag gar nicht. Was bringt es uns jeden 30. August an diese Menschen zu gedenken? Kommen sie wieder? Werden sie dadurch gefunden? Solange sich in den Köpfen von vielen Menschen nur Macht und Geld befindet, werden immer wieder Menschen verschwinden. Menschen, die unschuldig aus ihrem Alltagsleben gerissen werden.
Ich bin wütend. Ich bin wütend auf dieses Land. Diese angebliche Demokratie hat mein komplettes Leben zerstört und die Welt hat nur zugesehen.“

Mit diesen Worten verließ uns Selvi für immer…

Für immer…

„Mein Bruder hat angerufen. Unser Laden wurde in Brand gesetzt. Ich fahre kurz zu ihm. Schließ die Tür ab und öffne sie niemandem“, sagte mein Mann und drückte mich ganz fest an sich. Bevor er das Haus verließ, schaute er mir ganz tief in die Augen. Ich konnte die Angst an seinen Augen ablesen. Ich hatte ein verdammt komisches Gefühl. Ein Gefühl, das mich das Schlimmste befürchten ließ.

Draußen war es still. Niemand traute sich, das Haus zu verlassen, denn man war nicht einmal in seinen eigenen vier Wänden sicher. Maskierte Schlägertruppen trieben draußen ihr Unwesen. Sie steckten alles in Brand, was uns Tamilen gehörte. Man konnte immer nur beten, dass das Grauen ein schnelles Ende nimmt.

Ich hatte Angst. Ich hatte Angst, alleine zu sein. Ich wusste, dass ich nicht ganz alleine war, aber ich fühlte mich unsicher. Irgendetwas sagte mir, dass etwas Schreckliches passieren würde. Um mich abzulenken, schaute ich mir unsere Hochzeitsfotos an. Sie zauberten mir immer ein Lächeln ins Gesicht, doch heute wurde ich dieses seltsame Gefühl einfach nicht los.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Ich erschrak. Mein Herz begann, wie wild zu pochen. Ich hörte Stimmen. „Wir wissen, dass ihr da seid! Macht die Tür auf!“ Ich rannte ins Schlafzimmer und versteckte mich hinter dem Bett. Auf einmal hörte ich die Tür aufspringen. Geschirr und Möbel wurden durch die Luft geworfen. Ich nahm wahr, wie alles zerbrach. Ich hörte Schritte. Schritte, die immer näher kamen.

Ein schwarz gekleideter, breit gebauter Mann betrat das Schlafzimmer. Ich machte mich ganz klein, um nicht entdeckt zu werden. Doch er fand mich. „Wieso versteckst du dich vor mir? Komm her! Ich tue dir nichts.“ Ich saß da wie angewurzelt. Er begann immer lauter zu werden. „Komm her, habe ich gesagt!“ Er packte mich an den Haaren und schlug mich gegen die Wand. Blut floss an meinen Beinen hinab. Ich wusste, dass dies das Ende meiner kleinen Prinzessin war. Sie würde niemals die Welt erblicken. Ich hatte so viele Vorstellungen gehabt. Alle wurden zerstört. Ich war innerlich tot.

Er schmiss mich aufs Bett und nahm sich, was er wollte. Ich lag regungslos da. Der Verlust meiner Kleinen und der körperliche Schmerz ließen mich verstummen. Er packte mich, warf mich draußen auf den Boden und verschwand. Ich sah weinende Menschen um mich. Das Bild wurde immer unklarer und meine Augenlider immer schwerer. Dann fielen sie zu. Für immer.

Internationaler Tag zur Unterstützung der Folteropfer

Der 26. Juni jedes Jahres ist der „Internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer”. Der Tag wurde 1997 von der UN-Hauptversammlung als Gedenktag beschlossen. Er erinnert uns an die Konvention gegen Folter und an andere unmenschliche oder erniedrigende und grausame Behandlungen. Die Anti-Folter-Konvention, deren Einhaltung der UN-Ausschuss gegen Folter überwacht, ist am 26. Juni 1987 mit der Ratifizierung durch 20 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in Kraft getreten. Eines der Hauptziele der Menschenrechtspolitik ist die Verhütung und Abschaffung aller Formen von Folter und Misshandlungen weltweit. Ebenfalls symbolisiert der Tag die Solidarität mit den Folteropfern und deren Familien.

Doch was bedeutet Folter? Jemandem mit Absicht wehtun? Quälen? Schaden zufügen? Nein, sie bedeutet noch viel mehr. Folter ist das gezielte Zufügen von psychischem oder physischem Leid in Form von Gewalt, Qualen, Schmerz, Angst oder massiver Erniedrigung. Diese beinhalten unter anderem Schlafentzug, Elektroschocks und das simulierte Ertränken. Damit spricht sie absolut gegen die Menschenwürde und gegen die Rechte, die jeder Mensch auf dieser Erde hat. Staatlich gesehen fällt alles unter Folter, was starke körperliche oder geistig-seelische Schmerzen oder Leiden zufügt. Die Foltermethode wird meistens angewandt, um ein Geständnis zu erhalten, eine Aussage zu erpressen oder um jemanden einzuschüchtern. Eins ist klar: Sie stellt eine fundamentale Menschenrechtsverletzung dar!

Trotz des vollständigen Verbotes von Folter und Misshandlungen durch internationale Institutionen gibt es laut Amnesty International in vielen Ländern immer noch eine große Anzahl an systematischem Folter und Misshandlungen durch Sicherheitskräfte, Polizei und andere Behörden. Das Tragische dabei: Die Täter kommen zumeist ohne strafrechtliche Konsequenzen davon.

Auch im Bezug zur bekannten Urlaubsinsel Sri Lanka, auf dem jahrelang ein Bürgerkrieg geherrscht hat, kann nicht von einem folterfreien Ort gesprochen werden. Im Gegenteil! Menschen, darunter die im Norden der Insel beheimateten Tamilen, werden gefoltert, Tag für Tag, und die einzigen, die es jemals erfahren werden, sind die Opfer selbst. Die Tat geschieht in verschlossenen Räumen, im dunklen Keller oder in verborgenen Orten, wo es keine Menschen erfahren.

Die Armee und die Polizei der srilankischen Regierung entführen die Opfer und bringen sie in offizielle oder geheime Staatsgefängnisse. Weder die Eltern, noch die Geschwister der Inhaftierten wissen, wo diese sich befinden. Sie sind nur der Ungewissheit oder der Gewissheit, dass sie gefoltert werden, ausgesetzt. Häufig kommt es auch zu Misshandlung oder Vergewaltigung der Gefangenen. Die Opfer werden gezwungen, Taten die sie gar nicht begangen haben, zu gestehen oder von der Regierung ausgebeutet, um an Informationen zu kommen, die für sie hilfreich sein könnte. Diese Machenschaften von der Regierung sind unmenschlich und entgegen der Menschenwürde.

Auch viele Jahre nach der Folter leiden viele Opfer enorm unter den Folgen. Die brutale Zufügung von Schmerzen versetzt sie in einen langwierigen Angstzustand. Sie sind wie gelähmt und tragen bis an ihr Lebensende psychische und physische Schäden mit sich.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kämpft für eine Welt ohne solche Folter. Für eine Welt frei von grausamen Taten, die nicht zu tolerieren sind. Der Internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer soll uns erinnern, welche schrecklichen und unmenschlichen Erfahrungen Folteropfer durchleben mussten. Die Freiheit von Folter, sowie grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung ist ein grundlegendes Menschenrecht.

Schaffen wir eine bessere und menschlichere Welt für alle! Schau nicht weg!

Der Genozid in Ruanda

Ruanda – ein Land im Herzen Afrikas, das für ihre unberührte Wildnis und ihre herrlichen Landschaften bekannt ist. In den 80er Jahren etablierte sich Ruanda als beliebtes Touristenziel. Dieses Bild wurde am 6. April 1994 durch das Massaker der extremistischen Hutus an hunderttausende Tutsis, 2 Bevölkerungsgruppen in Ruanda, ein für alle Mal zerstört. Das Grauen des Völkermordes brachte für 75% der Tutsi-Bevölkerung den Tod. Auslöser des Völkermordes war der Abschuss des Flugzeuges, in dem Juvénal Habyarimana, Staatspräsident der Hutu, und sein burundischer Amtskollege saßen. Die Frage, wer für dieses Attentat verantwortlich ist, wurde bis heute noch nicht geklärt. Angehörige der Hutu-Bevölkerung machten jedoch die Tutsis für den Tod ihres Präsidenten verantwortlich. Dieser Flugzeugabsturz hatte eine Hetzjagd der Hutus auf die Tutsi-Minderheit zur Folge. In den folgenden drei Monaten wurden 2 Millionen Tutsis aus ihrem eigenen Land vertrieben und eine Million auf brutalste Weise ermordet.

Der Konflikt zwischen den Hutus und den Tutsis reicht weit in die Vergangenheit zurück: In der Vorkolonialzeit erlangten die reichen Tutsis, die sich mit der Viehzucht befassten, zunehmend Macht über die Ackerbauern, welche die Hutus waren. Zwischen 1884 und 1914 war Ruanda eine deutsche Kolonie und wurde danach dem Völkerbund Belgien zugesprochen. Innerhalb des Herrschaftsgebiets begann eine starke Differenzierung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Dadurch, dass die beiden Kolonialmächte mit den herrschenden Adelsfamilien der Tutsi paktierten und sie mit Privilegien ausstatteten, verschärften sie die Benachteiligungen der Hutu-Bevölkerung. Zudem ließen die Belgier die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Gruppen in die Ausweise eintragen. Es gab zahlreiche Aufstände der Hutus, die jedoch erfolglos blieben. Erst nachdem die Tutsi-Regierung die Unabhängigkeit von Belgien forderte, versuchten die Belgier, ihre Macht zu behalten, indem sie die Aufstände der unterdrückten Hutus förderten. Infolgedessen kam es 1959 zum ersten Völkermord an die Tutsis, der 50.000 Menschen das Leben kostete.

Selbst nach der Unabhängigkeit Ruandas am 1. Juli 1962, bei der die Hutus an die Macht gelangten, setzten sich die Übergriffe auf die Tutsis fort. Anfang der 90er Jahre lebten Schätzungen zufolge 600.000 Flüchtlinge der Tutsi-Minderheit in den Nachbarstaaten von Ruanda. Die Ruandische Patriotische Front (RPF), der sich Angehörige der Tutsis anschlossen, um die Hutu-Regierung zu stürzen, verübte immer wieder Angriffe auf Ruanda. Durch die militärischen Erfolge der RPF war der damalige Präsident von Ruanda 1993 zum Friedensvertrag von Arusha gezwungen, der den Waffenstillstand unter UN-Beobachtung besiegeln und die Tutsis in die Regierung einbinden sollte. Viele Tutsis dachten, dass damit endlich Frieden einkehren würde. Jedoch löste dieser Beschluss große Widerstände bei den Hutus aus: Die Angst, noch ein weiteres Mal die unterwürfige Rasse zu sein, verstärkte die rassistische Propaganda gegen die Tutsi-Bevölkerung, bis der Konflikt am 6. April 1994 eskalierte: Ruanda wird in dem Blut von hunderttausenden Menschen getränkt.

Menschen, die sich in ihren Papieren als Tutsi ausweisen konnten, mussten um ihr Leben fürchten. Innerhalb von 100 Tagen wurden zwischen 800.000 und eine Million Tutsis unter dem Verdacht der Ermordung des Präsidenten der Hutus auf eine unmenschliche Art und Weise getötet. Viele von ihnen wurden erbarmungslos erschossen, erwürgt und mit Hämmern und Äxten erschlagen. Männliche Tutsis wurden vor den Augen ihrer Frauen und Kinder skrupellos gefoltert und ermordet. Die Verfolgten versuchten in Schulen und Kirchen zu fliehen, worin sie oftmals keinen Schutz fanden. Die Hutu-Miliz setzte Vertreibung, Folter, Ausbeutung und Vergewaltigung an Tutsi-Frauen als Kriegswaffe ein, um die Tutsis systematisch auszulöschen. Insbesondere Frauen litten unter der schweren körperlichen und seelischen Folter und haben bis heute mit den traumatischen Erlebnissen zu kämpfen. Viele von ihnen konnten den Gedanken nicht ertragen, das Kind eines Mörders auf die Welt zu bringen und entschieden sich oftmals für einen tödlichen Schwangerschaftsabbruch. Vergewaltigungsopfer, die sich für das Kind entschieden, sind einem Leben ohne Perspektive und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt. Auch die Kinder der Vergewaltigungsopfer haben mit den schweren Folgen des Genozids zu kämpfen. Diese müssen sich einem Leben ohne Liebe und Zuneigung hingeben, denn sie erinnern die Frauen zu sehr an die Vergangenheit – eine Vergangenheit in grenzenlosem Hass und dem Wunsch nach Zerstörung.

Die gezielte Einsetzung dieser Methoden, die eine systematische Auslöschung sowohl unmittelbar als auch in Form von Spätfolgen darstellen, ist ein grundlegender Beweis für einen Genozid. Erst Mitte Juli 1994 ist es der RPF gelungen, das Land unter Kontrolle zu bringen und so dem Völkermord an die Tutsis ein Ende zu setzen. Bis heute sind die Wunden der schrecklichen Ereignisse noch nicht verheilt. Überlebende haben mit den traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit zu kämpfen. Der Genozid hat viele Kinder zu Waisen und Flüchtlingen gemacht. In einem Interview der Organisation „Save The Children“ zum 20. Jahrestag des Genozids in Ruanda erzählte ein Überlebender, dass er damals mit ansehen musste, wie seine Eltern ermordet wurden. Er selber konnte mit seinen Geschwistern in ein Waisenhaus fliehen: „Ich war dabei, als meine Eltern am 11. April 1994 beim Massaker getötet wurden. Ich konnte mich unter den Leichen verstecken. Es war, als würde mich Gott persönlich verstecken. Ich konnte fliehen und rannte so lange, bis ich zu den Militärkasernen gelangte.“

21 Jahre sind vergangen, seitdem Ruanda vom Massaker heimgesucht wurde. Heute wird nicht mehr zwischen Tutsis und Hutus differenziert, doch weiß jede Familie welcher Gruppe sie angehört. Heute gedenken wir all den Opfern, die in dem seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg zwischen den Bevölkerungsgruppen in Ruanda ums Leben gekommen sind.

Quellen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/voelkermord-in-ruanda-trauer-um-die-opfer-am-20-jahrestag-a-963011.html
http://www.spiegel.de/fotostrecke/ruanda-fotos-von-ueberlebenden-des-voelkermords-vor-20-jahren-fotostrecke-113053-6.html
http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/politik/Der-Voelkermord-in-Ruanda-article65805.html
http://www.welt.de/geschichte/article126452097/Macheten-und-Sensen-Bilder-vom-Ruanda-Genozid.html
http://www.tagesschau.de/ausland/ruanda-interview-mujawayo100.html
http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/136925/index.html