Annai Poophathi

Am 19.04.1988 gedenken die Tamilen weltweit den Tod von Annai Poophathi (übersetzt: Mutter Poophathi). Dieser Tag wurde in Tamil Eelam zum Tag der Patrioten erklärt.

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1987 traten aufgrund des indisch – sri-lankischen Abkommens die IPKF (indian peace keeping force) in Sri-Lanka ein, um für einen dauerhaften Frieden zwischen der sri-lankischen Regierung und der LTTE zu sorgen. Jedoch war dem nicht so. Statt zwischen beiden kämpfenden Parteien zu vermitteln, stellte sich die indische Regierung gegen die LTTE und versuchte dem Streben nach einem eigenen Staat ein Ende zu bereiten.

Um dem Kampf ein Ende zu bereiten wurden von der Batticaloa-Ampaarai-Mütter-Front, zu der auch Annai Poophathi gehörte, Proteste organisiert. Es wurde ein Hungerstreik mit folgenden Forderungen begonnen:

  • Einleitung der Friedensverhandlungen mit der LTTE, um eine langfristige Lösung für das eelamtamilische Volk zu finden
  • Sofortiger Waffenstillstand zwischen LTTE und IPKF

Da sich dem Protest immer mehr Menschen anschlossen, wurden sie am 04.01.1988 auf ein Gespräch in Thirumalai eingeladen, welches jedoch erfolglos blieb. Daraufhin beschlossen sie einen „Hungerstreik bis zum bitteren Ende“ durchzuführen.

Annamma David war die Erste, die am 16.02.1988 im Amirthakazhi Maamankeswar Tempel den Hungerstreik begonnen hat. Jedoch wurde sie von indischen Truppen entführt. Einen Monat später fing Annai Poophathi ihren Hungerstreik an, nachdem sie folgenden Brief verfasste:

„Ich habe freiwillig beschlossen, diesen Widerstand zu leisten. Wenn mein gesundheitlicher Zustand sich rapide verschlechtern sollte, sollten sowohl meinem Ehemann, als auch meinen Kindern verwehrt werden, mich ins Krankenhaus einzuliefern.“

Trotz fortlaufender Verhaftungen von Unterstützern und sogar ihrer eigenen Kinder hörte sie mit ihrem Hungerstreik nicht auf. Am 19.04.1988 verstarb Annai Poophathi.

Heute ist sie ein Vorbild für viele Frauen geworden. Sie hat gezeigt, dass das Alter und Geschlecht nicht von Bedeutung sind und jeder das Recht hat für die Freiheit zu kämpfen.

Colonel Kittu und sein Kampf um die Freiheit der Tamilen

16.01.2017 – Am heutigen Tag jährt sich der 24. Todestag von Colonel Kittu. Colonel Kittu gehörte zu den ersten Kommandanten der LTTE und sorgte für ausschlaggebende politische Veränderungen in der Freiheitsbewegung der Tamilen. Er führte nicht nur politische Strukturen ein, sondern nahm auch an wichtigen Gesprächen mit der indischen und srilankischen Regierung teil. Darüber hinaus gewann er das Herz der tamilischen Nation: durch seine liebevolle Art und seiner Liebe zu seinen Landsleuten erlangte er ein hohes Ansehen in der Bevölkerung.

Beitritt in die LTTE

Der am 2. Januar 1960 in Valvettithurai geborene Sathasivam Krishnakumar, besser bekannt unter dem Namen Colonel Kittu, schloss sich 1977 als 17-jähriger Junge Hon. Veluppillai Prabhakaran an. So kam es dazu, dass er in der Organisation LTTE die Möglichkeit sah, sich für die Rechte der Tamilen einzusetzen. Er widmete sich dem Ziel mit großem Eifer und gehörte zu den bekanntesten Befehlshabern der Organisation; er war Kommandant der Halbinsel Jaffna zu einer Zeit, als die LTTE noch keine modernen Waffen besaß. In dieser Zeit führte er mehrere aufeinanderfolgende Gefechte mit der srilankischen Armee und setzte auch auf politischer Ebene bedeutende Meilensteine.

Friedensgespräche

1986 sorgte Colonel Kittu für ein großes Ereignis in der Geschichte der LTTE: Unter seiner Beobachtung fanden in den von LTTE verwalteten Gebieten Friedensgespräche mit singhalesischen Politikern und Militärführern statt. Das dreistündige Gespräch führte zwar zu keinem entscheidenden Ergebnis, jedoch zeigte dieses Gespräch ein Jahr nach den Thimpu Talks, dass man sich um eine Lösung des Konflikts durch Kompromisse bemühte.

Kontaktaufnahme mit Indien

1987 eskalierten die Spannungen zwischen der singhalesischen Regierung und der LTTE. Die srilankische Regierung bat deshalb um die Unterstützung der indischen Regierung bei der Konfliktlösung. Im Juli 1987 wurde zwischen Vertretern der indischen und der srilankischen Regierung ein Abkommen geschlossen, um eine Sicherung des Friedens in Sri Lanka zu ermöglichen. Dabei wurde die Meinung der tamilischen Delegation außen vor gelassen. Dieses Abkommen ließ das Vertrauen auf eine friedliche Lösung des Konfliktes vorerst sinken. Das Indien Peace Keeping Force (IPKF) wurde ausgesendet, um die Waffen der LTTE-Mitglieder zu entziehen, um so Frieden in Sri Lanka zu schaffen. Allerdings führte die IPKF eine Invasion durch, indem sie versuchte, mit dem Einsatz von modernen Waffen die LTTE auszulöschen. Auch das tamilische Volk im Norden der Insel litt unter den gewalttätigen Angriffen der indischen Armee.

Auch in diesen schwierigen Zeiten bemühte sich Colonel Kittu um einen Waffenstillstand und strebte parallel dazu Friedensgespräche an. Dazu traf er sich im November 1987 mit Marudur Gopalamenon Ramachandran (M.G.R), einem berühmten südindischen Schauspieler und damaligen Ministerpräsidenten von Tamil Nadu. Während seiner Amtszeit befürwortete dieser die Ziele der LTTE, weshalb Kittu als Anlass sah, ihn aufzusuchen. Beim Treffen teilte MGR ihm mit, dass er bereits einen Brief an den damaligen Premierminister geschrieben hat, um den Krieg gegen die LTTE zu beenden. Der Premierminister wiederum antwortete darauf, dass die Voraussetzung für einen Waffenstillstand die Waffenübergabe der LTTE sei. Folglich übergab die LTTE einen Teil ihrer Waffen mit der Hoffnung auf Frieden.

Jedoch hielt sich die indische Regierung nicht an ihr Versprechen und es kam zu weiteren gewalttätigen Gefechten zwischen der IPKF und der LTTE.

Bemühungen in Großbritannien

Im Oktober 1989 bekam Colonel Kittu die Möglichkeit, nach Großbritannien zu reisen. Diese Gelegenheit wollte man nutzen, um die ausländischen Beziehungen aufrecht zu erhalten und neue Möglichkeiten auszuschöpfen. In diesem Sinne wurde Colonel Kittu zum Ansprechpartner für ausländische Angelegenheiten ernannt, wodurch in allen Bereichen der LTTE neuer Optimismus entstand und der Wille, ans Ziel zu gelangen, bestärkt wurde.

Aufopferung für die Freiheit der Tamilen

Am 16. Januar 1993 kamen Colonel Kittu und neun weitere Mitglieder der LTTE in einen Hinterhalt der indischen Marine, als ihr Schiff M.V Ahat, auch bekannt als Jahat, auf der Heimreise von Thailand von der indischen Marine umzingelt wurde. Obwohl der indischen Marine die Aussprache von Sanktionen nur im indischen Wassergebiet erlaubt war, forderte sie Colonel Kittu und seine Truppe auf, sich zu ergeben. Während dieser seiner Mannschaft befahl, das Schiff zu verlassen und sich zu ergeben, opferte er sich und sprengte sich und das Schiff mit seinen Kadetten in die Luft.

Colonel Kittu ist eines der größten Vorbilder für viele tamilische Jugendliche geworden. Er setzte sich für ihre politische Bildung ein und war ein exemplarisches Beispiel dafür, dass Menschen grundlegende Veränderungen herbeiführen können, sofern sie sich bemühten.

Am heutigen Tage gedenken Tamilen weltweit an diesen ehrenhaften, wichtigen Menschen.

Sivaram Dharmeratnam: Das Leben eines Journalisten

Der amerikanische Dozent, Mark Whitaker, Anthropologe an der Universität South Carolina, verfasste das Buch „Learning Politics from Sivaram“ über Sivaram Dharmeratnams Leben und seine Werke.

Sivaram Dharmeratnam, ein sehr bekannter politischer Analyst und Chefredakteur von Tamilnet.com, wurde am 11. August 1959 in Batticaloa, Sri Lanka geboren. Als Sohn von Puvirajkirtha Dharmeratnam und Mahesvariammal gehörte er einer wohlhabenden Familie, mit viel Landbesitz in der Nähe von Akkairaipattu, an. Einen Großteil dieses Wohlstands sollte er im Verlauf seines Lebens jedoch verlieren. Sivaram besuchte zunächst die St. Michael’s Hochschule in Batticaloa und später die Pembroke und Aquinas Hochschulen in Colombo. 1982 wurde er an der Universität Pardadeniya angenommen, welche er später durch die schwierigen Umstände des Bürgerkrieges in Sri Lanka abbrechen musste.

Sivaram schloss sich 1982 der Ghandi Bewegung und später eines der führenden Organisationen dieser Zeit der People’s Liberation Organization of Tamil Eelam (PLOTE) an. Nachdem die ethnischen Konflikte zum Ausbruch eines Bürgerkrieges im Jahr 1983 führten, agierte Sivaram unter dem Synonym „SR“ und wurde zu einem der bekanntesten PLOTE-Kämpfern. Seine Rolle bei PLOTE war einzigartig, da er nicht nur auf dem militärischen Zweig eine tragende Funktion hatte, sondern auch auf dem politischen Zweig ein wichtiger Wortführer war. 1988, ein Jahr nachdem das indisch-srilankische Abkommen unterzeichnet wurde, ernannte die Vorsitzende von PLOTE Uma Maheswary Sivaram zum Generalsekretär von Democratic Peoples Liberation Front (DPLF), welches die offizielle Partei der Organisation gewesen ist. Sivaram verließ 1989 PLOTE, nachdem Maheswary die politischen Beziehungen zu JVP zu stärken versuchte und auch wegen seiner abgeneigten Haltung bezüglich des gescheiterten Putschversuchs auf den Malediven.

Am 8. September 1988, vermählte sich Sivaram mit Herley Yogarajini Poopalapillai aus Batticaloa. Sie bekamen drei Kinder: Vaishnavi, Vaitheki und Seralaathan.

1988 hielt Sivaram außerdem die Position des Generalsekretärs von DPLF inne und traf sich mit dem Nachrichtensprecher, Journalisten und Schauspieler Richard De Zoysa. Sivarams Fähigkeiten, spontan politische Analysen zu erstellen, beeindruckte De Zoysa so stark, dass er Sivaram anbot, für die von der UN gegründete Nachrichtenagentur Inter Press Service (IPS) zu schreiben. De Zoya arbeitete als Korrespondent für IPS. Als 1989 die Zeitschriftenagentur „The Island“ einen tamilischen Politikanalysten suchte, empfahl De Zoysa Sivaram für diese Position. „The Island“-Redakteur, Gamini Weerakon, hatte Tharaka (oder „Star“) als Pseudonym für Sivaram vorgeschlagen; fälschlicherweise hatte ein Redakteur „Taraki“ gedruckt und sorgte somit für Sivarams späterem berühmten Pseudonym. Sivarams Taraki Artikel waren auf Anhieb erfolgreich. Die Artikel waren objektiv, in einem ironischen Stil mit Hintergrundwissen geschrieben und darauf bedacht, in der Prosa die militärischen, politischen, strategischen und taktischen Annahmen von allen Seiten des Sri Lanka-Konflikts zu erklären. Außerdem hat das breite Lesen Sivarams ihm in den Bereichen der militärischen Wirtschaft und politischen Philosophie (besonders im Marxismus und Poststrukturalismus) erlaubt, intellektuelle Hilfsmittel einzusetzen, die seine Artikel bald mächtiger gemacht haben, als die Worte vieler Gelehrten.

1990 half Sivaram, den Leichnam von Richard De Zoysa zu identifizieren, nachdem De Zoysa aus seinem Haus entführt und getötet wurde.

Bis zum Anfang der 1990er Jahre waren die Taraki Kolumnen von Sivaram die erste Anlaufstelle für jeden, der sich für Sri Lanka interessierte. 1991 haben tamilische Anhänger seiner Werke in Frankreich eine Sammlung erstellt und stellten diese unter dem Namen „The Eluding Peace“ (Eine Analyse eines Insiders des ethnischen Konfliktes in Sri Lanka) vor. Als freiberuflicher Journalist verfasste Sivaram für viele Nachrichtenagenturen Artikel, wie zum Beispiel für „The Island“, The Sunday Times, The Tamil Times (London), The Daily Mirror und Veerakesari. 1990 half er der Webseite Tamilnet.com, sich neu zu strukturieren und sich als Nachrichtenagentur mit eigenen Reportern zu etablieren. Er war dort bis zu seinem Tod als einer der wichtigsten Redakteure tätig. Er verfasste seine letzten Artikel für Tamilnet.com noch um 19:30 Uhr und wurde am selben Abend ermordet.

Die Arbeit von Sivaram war nicht auf Journalismus beschränkt. Sein Gespür sowohl für die tamilische Politik und Literatur als auch für die Historie Sri Lankas machte ihn zu einem einflussreichen Menschen für Schüler und Studenten. Sivaram arbeitete und führte Diskussionen mit Historikern, politischen Wissenschaftlern, Anthropologen, Politikexperten und Geographen, welche von Universitäten und Expertenkommissionen Sri Lankas kamen. Die Zusammenarbeit beschränkte sich nicht nur auf das Inland, sondern auch mit ausländischen Studenten von, beispielsweise der Universität Colorado, der Universität South Carolina und der Clark Universität. Erst im April 2005 veröffentlichte Sivaram eine rein wissenschaftliche Einführung in Mattakalappu Poorva Sariththiram (die alte Geschichte von Batticaloa). Es ist eine kürzlich veröffentlichte, endgültige Ausgabe des alten Palmzweigmanuskriptes von Batticaloa.

Darüber hinaus wandten sich, Mitte der 1990er Jahre, viele Regierungen und nichtstaatliche Organisationen der Menschenrechte an Sivaram, um Rat über politische und militärische Angelegenheiten zu erhalten. Er war mittlerweile schon ein viel gereister Mann und hatte Europa, Asien und Nordamerika besichtigt. Zudem war er bei Regierungen, diplomatischen Gemeinschaften und Menschenrechtsaktivisten bekannt. Allerdings geschah sein Tod vor einer geplanten Reise nach Japan, wo er sich mit der japanischen Regierung beraten wollte.

Da sich viele aus der Opposition gegen seine Berichte und Artikel wendeten und Sivaram Todesdrohungen bekam, rieten ihm Freunde und Verwandte, die Insel Sri Lanka mit seiner Familie zu verlassen. Sivaram weigerte sich jedoch vehement, dies zu tun. „Wo sonst sollte ich sterben als hier?“ erklärte er seine Ablehnung gegen eine Flucht. 2004 durchsuchte die Polizei zweimal Sivarams Haus und verschiedene Gruppen aus Sri Lanka hatten ihm öffentlich gedroht. In Anbetracht seiner kompromisslosen und geradlinigen Natur seiner Berichte war seine Todesursache, durch Gewalt, keine Überraschung.

Er wird ein unersetzlicher Verlust für die akademische Gemeinschaft und Menschenrechtsgemeinschaft weltweit sein“, sagte Dr. Jude Fernando von der Clark Universität. Es war ein Empfinden, welches bei vielen Menschen wiederzufinden war.

Ich sollte an dieser Stelle eine persönliche Anmerkung hinzufügen. Ich bin ein Professor der Anthropologie an der Universität South Carolina, Aiken. Ich habe Sivaram 1982 kennen gelernt, während ich eine kulturelle anthropologische Forschung in Batticaloa führte. Wir sind Freunde geworden, da wir ein gemeinsames Interesse in der Philosophie entdeckt hatten und fürchterliche Ereignisse während des Aufruhrs 1983 teilten. Meine eigene Arbeit in Sri Lanka hatte sich am Anfang auf die Politik und die Religion in Batticaloa konzentriert, wie man in meinem Buch „Amiable Incoherence: Manipulating Histories and Modernities in a Batticaloa Hindu Temple“, welches 1999 erschien, sehen kann. Als der Konflikt in Sri Lanka immer komplizierter und intensiver wurde und Sivarams bedeutende Rolle primär darin bestand, als Chronist und Analyst tätig zu sein, empfand ich es als meine Pflicht, seine Gedanken und seine Bemühungen schriftlich festzuhalten. Zudem beunruhigte mich die Sicherheit seines Lebens, da sich diese, nachdem ich ihn zum ersten Mal traf, immer prekärer wurde. 1997 beschlossen wir deshalb, in einer intellektuellen Lebensbiografie sein Leben und seine Werke festzuhalten. Es sollte, wie wir beschlossen, unter dem Titel: „Learning Politics from Sivaram“ erscheinen. Sivaram bestand darauf, dass das Buch genauso kompromisslos sein sollte, wie er es auch war. Ich hoffe, dass ich diese Biografie zeitnah vervollständigen kann, da es als Gerechtigkeit für Sivaram fungieren soll. Ich werde um ihn, meinen besten Freund, ein Leben lang trauern. Ich bitte jeden von euch, egal ob Freund oder Feind: Erhebt euer Glas und stoßt auf ihn an, sodass diejenigen, die ihn ermordeten, in Scham versinken.

Quelle: https://www.tamilnet.com/art.html?catid=79&artid=14778

S.P.Tamilselvan

Tamilselvan, dessen Symbol durch das treuherzige Lächeln im Gesicht geprägt war, zählte zu den wichtigsten Akteuren der LTTE und wurde am 29. August 1967 geboren. Er war Anführer des politischen Flügels der LTTE und führte 2002 Verhandlungsgespräche mit Sri Lanka und der internationalen Gesellschaft.

Im Jahr 1983, nach dem systematischen Massaker an über 3.000 Eelam Tamilen, bekannt auch als „Black July“, schloss sich Tamilselvan der LTTE an. Er wurde zu einem der engsten Vertrauten des tamilischen Oberhauptes Velupillai Prabhakaran, erfüllte aktiv seine Pflichten als Tamile und widmete sich ganz dem Unabhängigkeitskampf Tamil Eelams. In den späten 80er Jahren wurde er zum Gebietskommandeur von Jaffna ernannt und nahm somit größere Verpflichtungen an. Nachdem er 1993 bei einem militärischen Einsatz von einer Artillerie getroffen wurde und sich am Bein schwer verletzte, entschied die tamilische Führung Tamilselvan in den politischen Flügel zu berufen. In der Folge der Zeit wurde er zu einer der wichtigsten politischen Führer der LTTE.

Während des Waffenstillstands im Jahre 2002 war er zusammen mit Anton Balasingham federführender Akteur der Verhandlungsgespräche mit der internationalen Gemeinschaft, wodurch er außerhalb Tamil Eelams ebenfalls an Bekanntheit gewann. Engagiert, einen für beide Verhandlungsseiten annehmbaren Weg aus der Gewalt zu finden, hielt er Ansprachen und Reden, die ihm viel Sympathie einbrachten. Als Anton Balasingham erkrankte, übernahm er schließlich auch seine Aufgaben. Tamilselvans führende Position in der Politik, sowie seine Intelligenz als auch seine Begabungen sah die srilankische Regierung als direkte Bedrohung an. Gajendran Ponnambalam, zu der Zeit zuständig für Auslandsangelegenheiten der TNA, machte deutlich, dass eine gezielte Tötung des Friedensverhandlungsführers das Interesse an einem längerfristigen Frieden oder einer Lösung seitens der srilankischen Regierung eine Illusion darstelle.

Erik Solheim, Norwegens ehemaliger Minister für internationale Entwicklung und Vermittler für den Friedensprozess in Sri Lanka, zeigte sich tief betroffen über den Mord am politischen Leiter der LTTE, S. P. Tamilselvan, und sagte, er sei zutiefst beunruhigt über die Folgen der momentanen Eskalationen des Krieges in Sri Lanka. Solheim bezeichnete den Tod von Tamilselvan als großen Verlust der Freiheitsbewegung. Darüber hinaus berichtete er, dass Tamilselvan ein wichtiger Kontakt zwischen der LTTE und Norwegen in der Vermittlung im Friedensprozess gewesen sei.

Nach seinem Tod erhielt Tamilselvan die höchste Auszeichnung „Brigadier“, die innerhalb der LTTE verliehen wird. Velupillai Prabhakaran, der Anführer der LTTE, bezeichnete ihn als „Friedenstaube“. Prabhakaran hat Tamilselvan nach seinem Tod, in einem Schreiben an das Tamilische Volk, folgendermaßen beschrieben: „In seinem feinen Lächeln vergraben, erkannte ich von Anfang an tausend tiefsinnige Bedeutungen sowie seine Fähigkeiten und seine Führungsqualitäten. Ich zog ihn heran als großen Kommandeur, als unvergleichbaren politischen Führer und als einen Diplomaten, der mit der gesamten Welt kommunizierte, und als einen begabten Verhandlungsführer agierte. Seine Gedanken waren immer bei der Befreiung des Landes und der Menschen, die er so innig ins Herz geschlossen hatte. Er sehnte sich nach einem freien, ehrenvollen und sicheren Leben für unser Volk“.

Der Tod von Tamilselvan und fünf weiteren Mitgliedern der LTTE ließ die in Tamil Eelam als auch in der Diaspora lebenden Tamilen zutiefst erschüttern. Mit ihm ging eine einzigartige Persönlichkeit der tamilischen Freiheitsbewegung, die stets Optimismus ausstrahlte und die Fähigkeit hatte Probleme auf eine friedliche Art und Weise zu bewältigen. Aus diesem Grund wurde Tamilselvan sowohl von den Tamilen als auch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt und respektiert. Seine Gedanken drehten sich stets um das Wohl seines Volkes.

Thileepan Anna – Ein Symbol der Entschlossenheit und des Friedens

Wenn wir die Namen von Gandhi oder Martin Luther King hören, assoziieren wir zumeist Begriffe wie Freiheit, Gleichberechtigung oder denken an einen friedlichen Widerstand. Historisch bedeutsame Personen wie diese erinnern uns auch heute daran, die Ungerechtigkeit und das Leid in der Welt zu stoppen. Einer, der dieses wagte, ist Thileepan Anna. Thileepan Anna ist ein Besonderer dieser Kategorie. Wenn Eelamtamilen den Namen Thileepan hören, spüren sie die Entschlossenheit und den Stolz, den Thileepan mit sich trug. Eine Person, die in einer selbstsüchtigen Welt mit seinem selbstlosen Handeln Begeisterung und Anerkennung nicht nur beim eigenen Volk erntete. Seine selbstlose Hingabe und sein Engagement, um für die Tamilen eine Lösung zu erreichen, inspirieren und prägen, auch 27 Jahre nach seinem Hungerstreik in den Tod, das gesamte tamilische Volk. Der Medizinstudent Rasiah Parthipan, auch bekannt als Lt. Col Thileepan, war während der Intervention der indischen Peace Keeping Force (IPKF) der Anführer des politischen Flügels der Tamilen.

Der Indo-Lanka Pakt zwischen dem indischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem srilankischen Präsident J.R. Jeyawardene wurde 1987 unterschrieben, der ein Ende des nationalen Bürgerkrieges und die Sicherheit, das allgemeine Wohl und den Wohlstand der Tamilen zusichern sollte. Die Eelamtamilen hofften, dass sich ihre Lage unter der IPKF in Sri Lanka verbessern würde. Im Gegenteil, trotz der Waffenniederlegung bzw. Abgabe an die IPKF seitens der Tamilen hat es keine Fortschritte für den Frieden auf Sri Lanka gegeben. Im Zuge dessen ist die Indische Armee in tamilische Gebiete einmarschiert, nicht um des tamilischen Wohles wegen, sondern um die Freiheitsbestrebungen der Tamilen zu unterdrücken und zu beenden.

Auf Ghandis Spuren des friedlichen Widerstandes begann Thileepan am 15. September 1987 um 9:30 Uhr am historischen Hindu Tempel in Nallur seinen Hungerstreik bis in den Tod. Sein Hauptziel war es Aufmerksamkeit zu erzeugen und dem Leiden seines Volkes ein Ende zu setzen. Dazu formulierte er folgende Forderungen:

  1. Unterbindung weiterer Polizei- und Militärstationen sowie Entmilitarisierung im Norden und Osten der Insel seitens der srilankischen Regierung
  2. Rückzug der srilankischen Armee und Polizei aus den Schulen in tamilischen Dörfern und die Entwaffnung der sogenannten regierungstreuen „Home Guards“ durch die IPKF.
  3. Freilassung aller Tamilen, die ohne konkrete Anschuldigung und Anklageerhebung unter dem „Prevention of Terrorism Act“ festgehalten werden.
  4. Sofortige Unterbindung der Kolonialisierung von Singhalesen in tamilische Gebiete unter dem Deckmantel der Rehabilitation bis eine Übergangsregierung im Norden und Osten der Insel geformt ist.

Trotz der vielen Appelle die Lage der Tamilen zu verbessern, gab es keine Intervention seitens der IPKF. Thileepan führte stattdessen sein Fasten bis zu seinem Tod am 26. September 1987 fort und wurde zum Symbol des tamilischen Widerstands. Seine letzten Worte waren: “Ich bin zuversichtlich, dass unser Volk – eines Tages – die Freiheit erlangt. Es gibt mir eine große Zufriedenheit und Genugtuung, dass ich meiner nationalen Verantwortung meiner Nation gegenüber gerecht werde.“

Auch heute, 27 Jahre nach Thileepans Hungerstod, leiden die Eelamtamilen unter einer gewaltsamen singhalesischen Militärbesetzung ihres traditionellen Heimatgebietes und erleben die beschleunigte Kolonalisierung ihrer Gebiete durch die Singhalesen.