Die Geschichte eines tamilischen Fischers

Kanda Meedai – ein Teil des indischen Ozeans, liegt zwischen Jaffna und Mannar. Sie weist die Besonderheit auf, dass das Meer dort überwiegend flach ist. Optimal für Fischer.

Maaran war 41 Jahre alt und ein tamilischer Fischer, welcher in Vangalai im Bezirk Mannar lebt. Nach seinem Schulabschluss hatte er sich für sämtliche Hochschulen beworben. Dort wurde er jedoch nicht angenommen, weil diese Singhalesen bevorzugten, die auch dieselbe Punktzahl im Abitur erreichten wie er auch. Ohne eine Berufsausbildung war er damit gezwungen, Fischen zu gehen. Er fing an, mit seinem Cousin aufs Meer zu fahren und Fischfang zu betreiben, denn nur so konnte er sich Lebensmittel finanzieren. Eines Tages wurden Maaran und sein Cousin von der Navy der sri-lankischen Armee überrascht. Während einer Konfrontation starb sein Cousin, weil er Widerstand leistete. Maaran konnte flüchten.

Einige Jahre später war Maaran verheiratet und hatte 3 Kinder (7, 10 und 13 Jahre). Er war Alleinverdiener der Familie; somit war die gesamte Familie abhängig von seinem Verdienst. Sein jüngstes Kind war schwer krank, weswegen er für hohe Arztkosten aufkommen musste. Des Weiteren musste er die Schulkosten der anderen beiden Kinder finanzieren. Unterstützung von außerhalb bekam er nicht. Entsprechend arbeitete er an seine physischen Grenzen, wodurch er kaum Zeit mit der Familie verbringen konnte.

Als die sri-lankische Regierung begann, Singhalesen in tamilischen Gebiete umzusiedeln, erschwerte sich die Lebenssituation für Maaran und seine Familie. In deren Nachbarschaft zogen ausgerechnet singhalesische Fischer. Eine bewusste Handlung der Regierung, wusste Maaran, die darauf aus war, den tamilischen Fischern Konkurrenz zu schaffen und ihre ohnehin begrenzten Lebensverhältnisse weiter einzuschränken.

Die neuen Nachbarn plünderten und zerstörten Maarans Fischerausrüstung, was dazu führte, dass dieser sich neue besorgen musste. Maaran ließ Ruhe walten und reagierte nicht auf die Provokation, da er eine Eskalation vermeiden wollte. Wahrlich hatte er auch Angst, dass seiner Familie etwas zustoßen konnte. Denn immer wenn Maaran seiner Tätigkeit des Fischens ging, wurden seine Frau und seine Kinder von den Nachbarn belästigt und angepöbelt. Ihm fiel es unter diesen Umständen schwer, zu arbeiten. So beschloss er, zukünftig bei Tagesaufbruch aufs Meer zu fahren. Am dritten Tag gingen an seinem neuen Arbeitsort die Navys auf Patrouille. Als er auf seinem kleinen Boot seine Arbeit vorbereitete, wurde er von der Navy angehalten und mit unzähligen Fragen konfrontiert:

Navy-Offizier: Wer bist du?

Maaran: Ich heiße Maaran und lebe in Vangalai.

N.O: Achso. Weswegen bist du hier?

M: Ich wollte fischen.

N.O: Nein, du lügst!

M: Ich lüge nicht. Schauen Sie her, das ist meine Fischerausrüstung.

N.O: Du bist bestimmt ein Agent der LTTE.

M: Ich habe nichts damit zu tun.

N.O: Ich kann dir nicht vertrauen.

M: Bitte glauben Sie mir. Ich habe eine Familie und muss für sie aufkommen.

N.O: Wir glauben dir trotzdem nicht.

M: Tut mir nichts an, ich flehe Sie an. Mein Kind ist schwer krank.

N.O: Lüg‘ uns nicht an! Sag uns, was du wirklich vorhast.

M: Ich sage die Wahrheit! Ich bin nur ein gewöhnlicher Fischer.

N.O: Auch wenn du nur ein Fischer bist, hast du gegen die Regeln verstoßen!

M: Welche Regel? Ich bin mir keinem Verstoß bewusst.

N.O: In diesem Bereich dürfen nur singhalesische Leute Fischfang betreiben.

M: Mir war das nicht bewusst. Ich werde von hier weggehen.

N.O: Ok. Dann verschwinde schnell aus dem Gebiet.

Maaran machte sich bereit, um rauszufahren, als ihn plötzlich eine Kugel im Bauch traf. Er fiel umgehend aus dem Boot und ertrank. Die folgenden Wochen warteten seine Frau und seine Kinder auf ihn – vergebens. Sie leben bis heute mit der Ungewissheit, was mit ihm passiert ist. Eine alleinerziehende Mutter von drei Kinder ist auf sich allein gestellt, mit einem schwerkranken Kind und ohne jegliches Einkommen. Womit hat sie diese Situation verdient? 

Heute, am 1. Mai ist ein Feiertag. Dieser wird als „Tag der Arbeit“ oder auch als Tag der Arbeiterbewegung bezeichnet. Beschrieben wird das Protestieren der Arbeiterschaft, seit dem sogenannten Manchesterkapitalismus. Am Ende des 19. Jahrhunderts – am 1.Mai 1886 – wurde von amerikanischen Gewerkschaften ein Generalstreik ausgerufen. Die Arbeiterbewegung forderte die Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden. 400.000 Arbeiter aus 11.000 Betrieben waren in den USA an jenem Tag zu dieser politischen Aktion zusammengekommen, um für eine Verbesserung der Arbeitsbedingung zu protestieren.

Zur damaligen Zeit hatten es viele Arbeiter schwer, da sie zum Teil unter gefährlichen Bedingungen arbeiten mussten. Zudem hatten sie kaum Rechte. Dagegen hat man angekämpft. So entstand der „Tag der Arbeit“. Wir fragen uns: Haben alle Menschen dieser Welt die Arbeiterrechte, die wir als selbstverständlich ansehen?

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