Mullivaikkal – Höhepunkt des Völkermords an den Eelamtamilen

18.Mai 2009 – ein Schreckenstag, der sich nun zum siebten Mal jährt. Sieben lange Jahre sind vergangen seit der grausamen Zeit, die uns an dem Glauben an die Menschlichkeit hat zweifeln lassen… und bis heute hat sich nichts daran geändert. Am 18. Mai 2009 wurden all unsere Hoffnungen zerschlagen. Der seit mehr als 68 Jahren andauernde Konflikt zwischen den Tamilen und der srilankischen Regierung nahm an diesem Tag ein blutiges Ende und riss laut UN-Angaben mehr als 70.000 Tamilen mit in den Tod. Laut dem Bischof von Mannar, Joseph Rayappu, gelten 146.679 Menschen noch heute als vermisst.

Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Für uns nimmt das Leben seitdem gezwungenermaßen wieder seinen normalen Lauf, aber lasst uns nochmal sieben Jahre in die Vergangenheit reisen. Wie haben wir uns damals gefühlt, wie ging es uns damals? Wir haben geweint, gehofft und gebetet, dass uns jemand hilft, dass unsere Stimme erhört wird. Doch nichts passierte. Die ganze Welt sah zu, wie in einer kleinen, weit entfernten Insel ein ganzes Volk sang und klanglos ausgelöscht wurde. Wenn man heute über Sri Lanka spricht, denkt man nur an die „wunderschöne Trauminsel“. Aber lasst uns das Blutbad, was dort angerichtet wurde niemals vergessen. Das Blut und die Tränen sind selbst nach sieben Jahren immer noch nicht getrocknet.

Laut Aussage der srilankischen Regierung gilt der Bürgerkrieg in Sri Lanka seit dem 18. Mai 2009 offiziell für beendet. Doch der Leidensweg der Tamilen ist längst nicht vorbei! Noch heute werden Tamilen von regierungsnahen Gruppierungen und srilankischen Soldaten gefoltert und ermordet. Noch heute werden sehr viele Menschen vermisst. Noch heute sind Vergewaltigungen und Landenteignungen an der Tagesordnung.

Deshalb ist es von enormer Wichtigkeit, dass wir weiterhin die internationale Gemeinschaft auf die hoffnungslose Lage der Eelamtamilen aufmerksam machen. Noch wichtiger jedoch ist es, auch sieben Jahre nach der Tragödie an die Opfer zu gedenken und diese niemals zu vergessen.

Mullivaikkal – Massaker an Tamilen

Mullivaikkal – Als ein Eelamtamile vor 2009 den Namen dieses, an der Küste gelegenen Gebietes hörte, dachte er an einen wunderschönen Ort. An einen Ort, welcher umgeben ist vom indischen Ozean und der Lagune von Mullaitivu. Doch nach 2009 zieht sich bei ihm der Magen zusammen, wenn von Mullivaikkal die Rede ist. Sein Herz wird schwer und er spürt eine Mischung aus Wut und Schmerz. Einen unbeschreiblichen Schmerz, der von einem Bild des Grauens begleitet wird. Sofort sieht er ein Massengrab vor sich – ein Durcheinander voll mit Armen und Beinen von Kindern, Frauen und Männern, die mit Erde bedeckt ist.


Am 18. Mai 2009 endete der Krieg in Sri Lanka mit dem Höhepunkt der srilankischen Militäroffensive gegen die Tamilen. Alljährlich begehen die Eelamtamilen diesen Tag des Genozids, denn allein in der Endphase der Offensive wurden mehr als 140.000 Menschen auf brutalste Art und Weise ermordet. Mullivaikkal initiiert dabei den Schauplatz des Völkermordes an die Tamilen, da sich dort das entscheidende Massaker in den letzten Tagen des Krieges ereignete.


Viele Zivilisten wurden in der Endphase des Krieges nach Mullivaikkal, einem von drei sogenannten „No-Fire“-Zonen geschickt. Die Menschen flüchteten vor Schüssen und Bombardierungen und erhofften sich dort Ruhe und Schutz. Dabei vertrauten sie der Regierung hinsichtlich der „No-Fire“-Zonen, da ihnen keine Alternativen gegeben waren. Die Regierung stationierte ihre Armee strategisch so, dass die Menschen keine Wahl hatten, außer zu den östlichen Küstengebieten zu fliehen. Angekommen an der Küste selbst, wurden sie erbarmungslos erschossen.


Der Genozid an die Eelamtamilen endete nicht mit dem 18. Mai; ihre weitreichenden Folgen werden bis heute von den dort lebenden Tamilen gefürchtet. Sie leben jeden Tag in ständiger Angst. Jeden Tag haben Väter Angst, wenn ihre Kinder auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit sind. Die Kinder könnten von den unzähligen Soldaten, die sie auf ihrem Weg treffen, belästigt werden. Sie werden erniedrigt und entwürdigt. Und nicht selten vergewaltigt.

Ehefrauen haben Angst, dass ihre Männer von einem „white van“ entführt werden, sobald diese sich draußen im Freien bewegen. „White van“ – so heißen die weißen Transporter mit den getönten Scheiben, die von regierungsnahen Schlägergruppen geführt werden, die für zahlreiche Entführungen von Tamilen verantwortlich sind. Fast täglich verschwinden Menschen wie aus dem Nichts und die Polizei verweigert ihre Unterstützung bei der Suche nach den Vermissten.

 Die srilankischen Soldaten wurden im gesamten Lebensraum der Tamilen stationiert. Diese Art von Militärbesetzung und deren ständige Präsenz gab ihnen keine Sicherheit, sondern bewirkte genau das Gegenteil. Um solche Militärstützpunkte zu schaffen, wurden die Menschen enteignet. Viele unter ihnen lebten von der Landwirtschaft, doch ohne ihre Felder und Häuser wurde ihnen ihre Existenzgrundlage entzogen, sodass sie auf die Straße mussten.


In den Internierungslagern, die noch immer existieren, werden die Menschen gefoltert und auf verschiedenste Art und Weise gedemütigt. Ein Beispiel für eine bestehende ‚Folteranstalt‘ ist das Gota-Camp. Dieses ist ein geheimes Gefangenenlager, welches von der srilankischen Marine (SLN) im besetzten Trincomalee geführt wird. Dort werden schätzungsweise mindestens 700 ehemalige LTTE Mitglieder seit mehr als fünf Jahren gesetzwidrig gefangen gehalten.


Die Entdeckung des Gefangenenlagers lässt neben dem Fund des Massengrabes von Mullivaikkal die Forderung aufkommen, dass eine unabhängige Untersuchung der Kriegsverbrechen von der srilankischen Regierung zugelassen werden muss. Das Versprechen der UN im Frühjahr dieses Jahres, eine solche Untersuchung durchführen zu lassen, ist bis heute nicht erfüllt worden. Die Verschiebung der Veröffentlichung eines Reports stellt auch eine Verschiebung der Verantwortlichkeit und der Verweigerung der Menschenrechte gegenüber dem tamilischen Volk in Sri Lanka dar.

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Für uns Tamilen ist es von enormer Wichtigkeit, den 18. Mai eines Jahres in Solidarität zu begehen, um an die Verstorbenen des Massakers in Mullivaikkal zu gedenken und gleichzeitig auf den verübten Genozid der srilankischen Regierung, auf die erniedrigende Lebenssituation und Unterdrückung unseres Volkes in Sri Lanka und auf die daraus resultierende Missachtung der Menschenrechte nach dem Völkerrecht hinzuweisen. Die Durchführung einer unabhängigen internationalen Untersuchung und die Bestrafung der Verbrecher, die für den Tod von zahlreichen Zivilisten verantwortlich sind, ist unvermeidlich.