Endlich

Photo : Refugee Art Project

Endlich haben wir einen großen Schritt Richtung Freiheit geschafft. Weg von den Bomben, weg vom Krieg. Vater hatte uns Tickets für die Überfahrt nach Europa besorgt. Es waren unsere Tickets in das sichere Leben.

Die Menschen um uns herum lachen und freuen sich. Es ist so, als sei man auf dem Weg in den Urlaub, doch die gute Laune der Menschen an Bord ist nur von kurzer Dauer, denn alle haben Angst. Angst davor, von der Küstenwache gefasst zu werden und wieder mitten in den Krieg zurück zu müssen. Wir haben Glück und kommen unerkannt Europa näher.

Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen und gegen die Wand geschleudert. Ein Gewitter so stark, wie ich es noch nie erlebt habe. Die Wellen peitschen und das Schiff wankt. Wieder bei Bewusstsein sehe ich um mich weinende Frauen, Männer und Kinder meines Alters. Angehörige sind vom Schiff gefallen und weitere Leute sind hinterhergesprungen, um sie zu retten. ‚In dem Gewitter werden sie keine Chance haben‘, sagte mir mein Gefühl. Ich klammere mich vor Angst an Vater. Ich will doch nur ein normales Leben führen. Ein Leben in Sicherheit ohne Krieg und Tod. Der Leidensweg in die Sicherheit hat bereits vielen Freunden und Bekannten das Leben gekostet. In den Armen meines Vaters schlafe ich ein, in der Hoffnung, dass bald alles gut wird.

Die Sonne blendet mich. Ich höre jubelnde Menschen. Wir haben es geschafft. Wir sind in Deutschland! Ich sehe Menschen, die uns willkommen heißen, und Kinder in meinem Alter, die mir Süßigkeiten und Wasser geben. Fühlt sich so die Sicherheit an? Ich hoffe es und möchte endlich mein neues Leben ohne Krieg beginnen.