Srilankische Polizei schießt auf tamilischen Jugendlichen

Am vergangenen Samstag schoss die srilankische Polizei in Mullaithivu auf einen tamilischen
Mann, nach dem sie ihn zur Festnahme aufgesucht hatten.
Der 26-jährige Vivekanandan Thijeevan befand sich zu Hause, im hochmilitarisierten Dorf
Keppapilavu, als ihn zwei Polizisten von der Polizeiwache aus Mulliyawalai verhaften
wollten. Sie gaben an, dass der Richter einen Haftbefehl gegen ihn erlassen habe.
Als Herr Thijeevan daraufhin den Haftbefehl des Richters sehen wollte, schoss ihm ein in
zivil gekleideter Polizist zweimal in den Fuß. Anschließend wurde er gewaltsam in
Untersuchungshaft genommen.

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Seine Mutter, V. Indrani, die letztes Jahr bei den Parlamentswahlen für die Tamil National
People’s Front (TNPF) kandidierte, wollte bei der srilankischen Menschenrechtskommission
(HRCSL) eine Beschwerde einreichen.
Ein Ermittlungsverfahren in Bezug auf eine Landmine wurde bereits im Vorfeld gegen den
Polizisten eingeleitet. Die Gerichtsverhandlung für diesen Fall soll am 30. Juli stattfinden.

Source: Tamil Guardian

Die Bibliothek von Jaffna

Bücher verkörpern Wissen und Wissen ist Macht. Bücher sind nicht nur ein elementares Kulturgut, sondern auch unentbehrliche Arbeitsmittel für jede Form von Bildung. Bibliotheken erfüllen daher eine äußerst bedeutende Funktion für Kultur, Bildung und Geschichte. Da diese Einrichtungen mit der Machtstruktur einer Nation verknüpft sind, würde eine Vernichtung dieser Einrichtung zur Vernichtung von Erinnerungen und Geschichte führen.

In der Nacht zum 31.05.1981 wurde einer der bedeutendsten Bibliotheken der Welt, die Bibliothek von Jaffna, von der srilankischen Regierung niedergebrannt. Seit der Unabhängigkeit Sri Lankas im Jahre 1948 wird das tamilische Volk von der Regierung unterdrückt und systematisch ermordet. Mit dem Brand der Bibliothek hatte die Regierung sowohl die Zerstörung der tamilischen Kultur als auch die Einschränkung der Bildungsmöglichkeiten der Tamilen im Sinn.

Die Errichtung der Bibliothek erfolgte in mehreren Stufen: 1933 begann K.M. Sellappa mit einer privaten Sammlung von tamilischen Büchern in seinem Haus und warb in den Medien für eine öffentlich zugängliche Bibliothek, indem er die Tamilen aufforderte, ihre Errichtung mit ihren alten und nicht mehr brauchbaren Büchern zu unterstützen. Die Vorstellung eine eigene Bibliothek für die Tamilen zu errichten, wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Schon bald strömten Tamilen aus dem ganzen Land nach Jaffna, um die Bibliothek sowohl mit Büchern als auch mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. Aufgrund der rasant ansteigenden Anzahl an Büchern bestand die Notwendigkeit einer größeren Räumlichkeit. So geschah es, dass eine Partei gegründet wurde, die sich um die Finanzen für das neue Gebäude kümmerte. Es wurden viele Kultur- und Benefizveranstaltungen veranstaltet, deren Erlöse in die Bibliothek flossen. Zudem wurden in großen Fonds Spendengelder gesammelt. Durch die zahlreiche Unterstützung der Tamilen und ihren Tatendrang konnte die Bibliothek im Herzen von Jaffna gebaut werden. Am 11.10.1959 wurde die Bibliothek durch Alfred Dhuraiappa eröffnet. Mit einem Bestand von über 97.000 Büchern, darunter viele wertvolle und seltene Sammlungen, historischer Dokumente, Manuskripte und Ola-Dokumente, galt die Bibliothek von Jaffna als größte Bibliothek Südasiens und genoss weltweit hohes Ansehen.

In Folge eines Wahlkampfes zwischen der Tamil United Liberation Front (TULF) und der United National Party (UNP) brach ein großes Chaos in Jaffna aus: In der Nacht auf dem 1. Juni 1981 wurde die Bibliothek von Jaffna von rassistischen Schlägern, die von der UNP angestiftet worden waren, niedergebrannt. Der Vorwand für die Zerstörung war der Tod zweier Polizisten auf einer Wahlversammlung der TULF. Es folgten Schlägereien und Schikanen mit dem Zweck, tamilische Wähler einzuschüchtern und die systematischen Wahlfälschungen zugunsten der UNP – Kandidaten zu verdecken. Zudem wurden 4 Tamilen von Anhängern der UNP getötet und das Hauptquartier der TULF in Brand gesteckt. Innerhalb von nur 4 Tagen wurden hunderte Häuser in Jaffna geplündert und abgefackelt, tamilische Einrichtungen kultureller und religiöser Bedeutung wurden zerstört.

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Die Zerstörung der Bibliothek von Jaffna war ein großer Verlust in der tamilischen Geschichte. Der Brand war kein Unfall, sondern ein klares Zeichen für die Absicht der Regierung, die tamilische Kultur und Geschichte systematisch auszulöschen. Die Geschichte über den Brand der Bibliothek von Jaffna löste weltweit große Empörung und Wut aus, insbesondere tamilische Intellektuelle und Studenten, für die die Bibliothek von Jaffna hinsichtlich ihrer Bildung äußerst bedeutend war, konnten diesen Verlust bis heute nicht verkraften. 20 Jahre nach dem Brand wurde zwar eine neue Bibliothek in Jaffna errichtet, die wertvollen und einzigartigen Bücher sowie historischen Dokumente konnten jedoch nicht ersetzt werden.

Gedenken an die Opfer des Tsunamis von 2004

Weiße Strände, sommerliche Temperaturen und ein beruhigendes Meer erwarten viele Touristen bei einer Fernreise nach Südostasien. Doch, nicht so im Jahre 2004, als die Natur sich von ihrer grausamsten Seite präsentierte.

Am Sonntag, den 26.12.2004 ereignete sich eines der größten und verheerendsten Naturkatastrophen aller Zeiten. Eine natürliche Verschiebung der indisch-australischen Kontinentalplatte unter die eurasische verursachte das drittstärkste jemals aufgezeichnete Erdbeben mit einer festgestellten Stärke von 9,1, dessen Epizentrum 85 Kilometer vor der indonesischen Insel Sumatra im Indischen Ozean lag. Das schwere Erdbeben führte zur Entstehung von riesigen Flutwellen, auch Tsunamis genannt, die in kürzester Zeit die Küsten der Länder erreichten und ins Landesinnere vordringen konnten.

Die Naturkatastrophe hatte insgesamt 230.000 Tote zur Folge, davon mehr als die Hälfte in Indonesien. Es gab mehr als 110.000 Verletzte. Mehr als 1,7 Millionen Küstenbewohner wurden in jenem Augenblick obdachlos, als der Tsunami ihr Hab und Gut mit sich riss. Unter den Opfern waren auch 537 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit – die meisten von ihnen waren als Urlauber unterwegs. Am schwersten betroffen waren die Staaten Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand.

Allein in Sri Lanka gab es bis zu 40.000 Tote, 17.000 Verletzte und mehr als 5000 Vermisste. Die meisten Toten wurden dort im östlichen Ampara (10.436) gezählt, gefolgt vom südlichen Hambantote (4.500); und auch im nördlichen Jaffna wütete der Tsunami mit 2900 Opfern. Die Regierung Sri Lankas war aber nicht bereit, die Spenden gerecht aufzuteilen und bevorzugte bei der Spendenaufteilung den Süden beim Wiederaufbau. Aufgrund der Benachteiligung im Nordosten lebten selbst 2 Jahre nach der Katastrophe die Flutopfer weiterhin in provisorischen Herbergen und Zelten. Die Grundbedürfnisse vieler Tamilen konnten zu der Zeit nicht gestillt werden.

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Neben den unmittelbaren Folgen des Tsunamis durch Tote, Vermisste und Obdachlose hatte die Bevölkerung auch mit langfristigen Folgen zu kämpfen. Aufgrund der vielen Todesopfer und dem tropischen Klima befürchtete man den Ausbruch von Seuchen wie Typhus oder Cholera. Um dies zu vermeiden, entnahm man vielerorts die Leichen aus den Massengräbern und verbrannte sie. In der Landwirtschaft hatten die Bauern mit Missernten zu kämpfen, da der Oberboden gänzlich abgetragen wurde. Sofortige bodenverbessernde Maßnahmen waren zwar möglich, jedoch für viele Bauern aufgrund des großen finanziellen Aufwandes nicht zu stemmen gewesen. All jene, die keine externe finanzielle Hilfe bekamen, mussten die Landwirtschaft aufgeben und wurden arbeitslos.

Heute, elf Jahre nach dem verheerenden Tsunami sind weiterhin vereinzelt Spuren des Erdbebens und der Flutwelle in einigen Regionen der Länder wiederzuerkennen, doch die Schäden konnten zum Teil beseitigt und Schulen, Straßen, Schienen und Versorgungsleitungen mit vereinten Kräften wieder neu aufgebaut werden.

Nichtsdestotrotz möchten wir heute an die Menschen gedenken, die sowohl unter den verheerenden Ereignissen der Natur verstorben sind, als auch unter ihr gelitten haben und hoffen, dass die weißen Strände, die sommerlichen Temperaturen und das beruhigende Meer den Bewohnern langfristig erhalten bleiben.

Weltfriedenstag

Der 21. September gilt seit 1981 als „Internationaler Tag des Friedens“ und wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Dieser Tag soll genutzt werden, um die Idee des Friedens sowohl zwischen den Ländern, als auch innerhalb der Länder unter den Völkern zu stärken. Er soll den Frieden und die Gewaltlosigkeit symbolisieren und alle Nationen und Menschen auffordern, an diesem Tag jegliche Feindseligkeiten einzustellen.

Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der Macht und Geldgier über Menschlichkeit und Frieden gestellt wird. Eine Gesellschaft, in der das Wort Frieden nur ein toter Begriff zu sein scheint.

Wir dachten, dass die Menschheit mit dem 2. Weltkrieg das Schlimmste hinter sich gebracht hat. Doch was heute im 21. Jahrhundert auf dieser Erde geschieht, ist weitaus erschreckender als das, was damals geschah… denn es zeigt, dass die Menschheit aus der erschütternden Vergangenheit, geprägt von Hass, Leid und Gewalt, nichts gelernt hat.

Bereits beim Völkermord in Ruanda (1994) hat die internationale Gemeinschaft versagt und zugesehen, wie über 800.000 unschuldige Menschen getötet wurden. Doch damit hatte das Grauen immer noch kein Ende gefunden: In Mullivaikal (2009) in Sri Lanka setzte sich der Genozid an Tamilen fort, und auch dort hat die internationale Gemeinschaft nur tatenlos zugesehen, wie hunderttausende Tamilen erbarmungslos von der srilankischen Regierung getötet wurden.

Seit der Unabhängigkeit Sri Lankas im Jahre 1948 wird das tamilische Volk von der srilankischen Regierung unterdrückt und systematisch ausgerottet. Der Genozid hat insgesamt über 250.000 Tamilen das Leben gekostet. Neben der Tatsache, dass den Tamilen viele Rechte verwehrt worden sind, wurden auch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen begangen. Allein in der letzten Phase des Krieges in 2009 wurden über 140.000 Tamilen getötet und über 300.000 aus ihren Dörfern vertrieben. Unzählige Tamilen wurden in Gefangenenlagern interniert und gefoltert. Der Zustand in diesen Lagern ist katastrophal und menschenverachtend: Keine Versorgung mit Lebensmitteln, unzureichende Versorgung der Verletzten, Folter und Misshandlungen von Frauen. Schätzungen zufolge gelten seit 2009 über 146.679 Menschen als vermisst. Immer wieder werden Massengräber gefunden und ausgegraben.

Es fand ein Krieg ohne Zeugen statt. Der Genozid an den Tamilen wird bis heute von der internationalen Gemeinschaft totgeschwiegen.

Heute, am Weltfriedenstag, wollen wir, die in der Diaspora lebenden Tamilen, die Gelegenheit nutzen, um gemeinsam vor dem UN-Hauptquartier in Genf unsere Stimme für unser Volk und für die Gerechtigkeit zu erheben. Wir fordern eine internationale, unabhängige Untersuchung der Kriegsverbrechen der srilankischen Regierung gegen das tamilische Volk, die sofortige Freilassung aller politisch Gefangenen und die Beendigung der Militarisierung und Landenteignung.

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Endlich

Photo : Refugee Art Project

Endlich haben wir einen großen Schritt Richtung Freiheit geschafft. Weg von den Bomben, weg vom Krieg. Vater hatte uns Tickets für die Überfahrt nach Europa besorgt. Es waren unsere Tickets in das sichere Leben.

Die Menschen um uns herum lachen und freuen sich. Es ist so, als sei man auf dem Weg in den Urlaub, doch die gute Laune der Menschen an Bord ist nur von kurzer Dauer, denn alle haben Angst. Angst davor, von der Küstenwache gefasst zu werden und wieder mitten in den Krieg zurück zu müssen. Wir haben Glück und kommen unerkannt Europa näher.

Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen und gegen die Wand geschleudert. Ein Gewitter so stark, wie ich es noch nie erlebt habe. Die Wellen peitschen und das Schiff wankt. Wieder bei Bewusstsein sehe ich um mich weinende Frauen, Männer und Kinder meines Alters. Angehörige sind vom Schiff gefallen und weitere Leute sind hinterhergesprungen, um sie zu retten. ‚In dem Gewitter werden sie keine Chance haben‘, sagte mir mein Gefühl. Ich klammere mich vor Angst an Vater. Ich will doch nur ein normales Leben führen. Ein Leben in Sicherheit ohne Krieg und Tod. Der Leidensweg in die Sicherheit hat bereits vielen Freunden und Bekannten das Leben gekostet. In den Armen meines Vaters schlafe ich ein, in der Hoffnung, dass bald alles gut wird.

Die Sonne blendet mich. Ich höre jubelnde Menschen. Wir haben es geschafft. Wir sind in Deutschland! Ich sehe Menschen, die uns willkommen heißen, und Kinder in meinem Alter, die mir Süßigkeiten und Wasser geben. Fühlt sich so die Sicherheit an? Ich hoffe es und möchte endlich mein neues Leben ohne Krieg beginnen.

UN wird aufgefordert kein zweites Mal in Sri-Lanka zu versagen

Über 50 hochrangige Persönlichkeiten, aus der ganzen Welt, forderten in einem Brief das wichtigste UN Gremium für Menschenrechte dazu auf, eine unabhängige internationale Untersuchung aufgrund der in Sri-Lanka begangenen Kriegsverbrechen durchzuführen.

Die Welt versagte, als es darum ging der tamilischen Zivilbevölkerung im Jahre 2009 Schutz zu gewähren. „Durch ein juristisches Verfahren im Jahre 2015 versuchen wir unser Fehlverhalten wieder gut zu machen“, waren die Worte in diesem Brief, der an den UN-Menschenrechtsrat ging.

Der Vorstoß der USA, Innerlandsuntersuchungen durchzuführen, wurde abgelehnt, obwohl dies vom UN-Rat begrüßt wurde. „Die srilankische Regierung ist beim besten Willen nicht in der Lage eine glaubwürdige Untersuchung gegen seine eigenen Einheiten durchzuführen“, wurde im Schreiben betont.

Siegergericht

Einer der Verfasserinnen des öffentlichen Briefes, Anuradha Mittal, Leiterin des Oakland Instituts in der USA, bezeichnet die Innerlandsuntersuchung die durch den Sieger des Krieges Sri Lanka durchgeführt werden soll als „Siegergericht“.

Es gibt viele Gründe von solch einem Verfahren beunruhigt zu sein: Die ungeahndeten Verbrechen der Regierung, der noch anhaltende stille Krieg durch die militärische Besetzung des Nordens und Ostens der Insel und die stetige Diskriminierung durch die buddhistisch-singhalesische Mehrheit. „Unter diesen Umständen wird wahre Gerechtigkeit für die Opfer und Überlebenden ein leeres Versprechen bleiben“, teilt sie der JDS (Journalists for Democracy in Sri Lanka) mit.

Einem Beschluss des Rates zufolge leitete der Hohe Kommissar für Menschenrechte im Juni 2014 eine Untersuchung in Sri Lanka, mit den Zielen Förderung, Versöhnung und Achtung der Menschenrechte, ein (OISL).

Militarisierter Norden und Osten

Der öffentliche Brief erinnert die Mitgliedstaaten daran, dass der OISL vom UN-Menschenrechtsrat eingeleitet wurde, da die srilankische Regierung weder daran interessiert war, noch in der Lage ist eine eigene inländische Untersuchung aufgrund ihrer eigenen Kriegsverbrechen durchzuführen.

Die von Maithripala Sirisena geführte Regierung machte Fortschritte im Kampf gegen Korruption und bei der Einführung demokratischer Reformen. Dies wurde von den bedeutenden Persönlichkeiten gelobt. Allerdings sagt der Brief auch, dass die neuen Reformen nichts mit der Gerechtigkeit für die Opfer zu tun haben.

„Daraus schließt sich, dass die Demokratie im Süden wiederhergestellt wird, das tamilische Land im Norden und Osten jedoch unter der militärischen Besatzung bleibt“.

OISL Bericht

Zeid Ra’ad Al Hussain United Nations High Commissioner for Human Rights

Kommissar für Menschenrechte, Zeid Ra’ad Al Hussain plant die Vorwürfe bezüglich den Kriegsverbrechen dem Rat am 30. September zu präsentieren.

Die 30. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates geht vom 14.September bis zum 2.Oktober. „Die Veröffentlichung des OISL Berichtes sollte nicht das Ende der Verantwortung gegenüber dem srilankischen Volk markieren“ warnte die hochrangige Gruppe.

The Walk of Shame

Als die Türen endlich entriegelt waren, eilte sie aus dem grausamen Zimmer und ließ ihre Unterwäsche zurück. Die srilankischen Soldaten warteten draußen und beobachteten, verspotteten und missbrauchten sie. Den Kopf gesenkt und die Haare zerzaust hatte sie nicht mehr die Kraft, ihr Kleidungsstück zuzuknöpfen. Ihre Kleidung sah aus, als wäre es in Blut getränkt worden. Ihr Körper wurde von den Soldaten aufgeschlitzt, teilweise verbrannt und misshandelt. Hinzu kam die brutale Vergewaltigung des Mädchens durch das Militär. Unmittelbar nach der Misshandlung lief sie zurück zum Camp; es war ein beschämender Lauf zurück in das Gefangenenlager.

Ihre Leidgenossen, viele weitere Tamilen, wussten über das Geschehen; jedoch sprach keiner darüber. Den Menschen blieb nichts anderes übrig, als ihrem hungernden Kind Wasser anzubieten, bis sie in der Lage waren, wieder stillen zu können.

Die srilankischen Soldaten zerrten sie raus, folterten sie und drohten ihr Kind umzubringen, wenn sie nicht aufhören würde zu schreien und sich zu wehren. Als die Soldaten die Mutter aus dem Camp heraustrieben, wusste sie sofort, was auf sie zukommt, denn sie hatte am Vortag bereits gesehen, wie ein junges Mädchen von den Soldaten verschleppt wurde. Einer anderen Mutter drohte das Militär, wenn sie sich nicht vergewaltigen lasse, würde ihre jüngste Tochter als Ersatz verschleppt und missbraucht werden. Während des Krieges in Sri Lanka beschützten Mütter ihre Kinder vor fliegenden Metallscherben mit dem Einsatz ihres Körpers. Heute, nach der vermeintlichen Rückkehr des Friedens, lassen sie sich vergewaltigen und missbrauchen, um ihre Kinder zu beschützen.

Zuschauer sprechen nicht darüber. Nicht nur aus Respekt gegenüber dem Opfer, sondern auch aufgrund des Gewissenskonflikts, dass sie als passive Zuschauer nichts gegen die Vergewaltigungen unternommen haben. Sie konnten als Gemeinschaft nicht gegen die Unterdrückung und Misshandlung protestieren. Sie waren nicht in der Lage überhaupt etwas zu unternehmen, da sie rund um die Uhr durch bewaffnete srilankische Soldaten bewacht worden sind.

Die Verbrecher filmen diese Vergewaltigungen mit ihren Handys und fotografieren den nackten Körper ihrer Opfer, denn die Täter wissen, dass sie nie für ihr Verbrechen bestraft werden würden. Zudem sind sie sich bewusst, dass sie die gesamte tamilische Gesellschaft demütigen, indem sie das tamilische Mutterland und die Individuen vergewaltigen.

Natürlich sind nicht nur Frauen unter den Opfern. Die Untersucher der Kriegsverbrechen sind schockiert über die Höhe der männlichen Vergewaltigungen während der Nachkriegszeit in Sri Lanka. Oftmals handelt es sich bei den ängstlichen und zerbrechlichen Opfern um schlanke junge Männer, die eher wie junge Teenager aussehen als Erwachsene. Einige von ihnen wurden bereits in ihren jungen Jahren festgehalten und missbraucht. Mit einer großen Überwindung erzählen sie über die brutalen sexuellen Übergriffe, die sie aus Scham nicht ihren Familienangehörigen anvertrauen können.
Ein junger Mann wurde mit dem weißen Van entführt. Nachdem er mehrere Wochen sexuell und physisch misshandelt wurde, konnte sein Vater ihn gegen Zahlung einer gewissen Summe, die als „Kauf“ gilt, aus dem srilankischen Militärlager befreien. Anschließend brachte der Vater seinen Sohn nach Mannar, um ihn dort zu verstecken. Er kaufte in der Apotheke Heilmittel, säuberte die Folterwunden und cremte diese weinend ein; mit dem Schmerz, dass er nicht in der Lage war, sein Kind vor der Misshandlung und dem Folter zu beschützen. Sein Sohn lag mit Schmerzen im Bett und verschwieg seinem Vater die sexuellen Übergriffe, um ihn vor der grausamen Wahrheit zu verschonen.
Kurze Zeit später wurde der Sohn per Flüchtlingsboot nach Indien geschickt. Dort hatte er vorerst mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wie beispielsweise der Fremdsprache, die er nicht beherrschte. Er hatte Angst, seine Eltern in der Heimat anzurufen, da der diese womöglich in Gefahr bringen würde.

Ein weiterer Übelebender der Folter erzählt, dass er von den SL-Soldaten im Wald abgesetzt wurde, nachdem sein Onkel ihnen eine Tasche mit Geld übergeben hatte. Daraufhin fuhr er mit seinem Neffen in eine sichere Unterkunft, wo er dessen Wunden begutachten konnte. In diesem Kontext ist zu erwähnen, dass keiner der Opfer sich traute, den Arzt auszusuchen, da dieses eine Gefahr darstellen würde. Männer, deren Gesäß mit heißen Metallstangen verbrannt worden sind, beschreiben ihren Schmerz, den sie bei der Flucht auf der langen Flugstrecke auf den Sitzen ertragen müssen.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sechs Jahre nach dem Ende des Krieges in Srilanka, noch solche Kriegsopfer im Ausland auftauchen. Als ich ein Buch über die Überlebenden des finalen Krieges im Jahre 2009 schrieb, erzählten mir viele Menschen, dass sie es nicht ertragen haben, das Kapitel über die Folter und das Leid der Tamilen im Jahre 2009 zu lesen. Heute weiß ich, dass der Inhalt des Buches, welches ich bereits geschrieben habe, nur eine harmlose Version des Krieges war. Die Menschen, die ich damals im Jahre 2011 interviewt habe, sind relativ früh geflohen.

Heute sind dort Menschen, die nicht nur einige Monate unter der Verlagerung, Trauer, Verletzungen, Hungersnot und Trauma gelitten haben, sondern viele, die mehrere Jahre in den vermeintlichen „Rehabilitationscamps“ inhaftiert, gefoltert, sexuell missbraucht wurden. Zugespitzt wird die Situation durch den Einsatz der weißen Vans bei den „Rehabilitierten“ durch das SL Militär. Dadurch werden die Haft, die Folter und der sexuelle Missbrauch wieder von Beginn an durchgeführt. Das Leid der Tamilen ist in Worten nicht zu fassen; es ist unbeschreiblich.

Einige der Flüchtlinge kommen im Ausland an und machen sich sofort auf dem Weg vom Flughafen zur Strafanstalt; sie haben nie ein Fuß auf das Land selbst gesetzt. Erneut das Leben hinter Gitter zu verbringen, setzt die Betroffenen dann wieder in ein traumatisches Erlebnis. Sie wachen nachts auf und weinen, da sie in der Strafanstalt im Ausland an die Folter und Misshandlungen in der srilankischen Inhaftierungsphase zurückdenken müssen.
Viele dieser Männer haben ihre Frauen und Kinder in Vanni zurückgelassen. Sie warten auf die Annahme des Asylantrags, sind beunruhigt und besorgt um ihre Famile, die sie zurückgelassen haben. Zusätzlich bangen sie um den Asylantrag; denn dieser kann auch abgelehnt werden, um die Flüchtlinge zurückzuschicken, und den vermeintlichen Rehabilitationsprozess zu unterstützen.

Repressalien und Drohungen der zurückgelassenen Familien in Sri Lanka sind üblich. Ein Mann erzählt, dass seine Frau von den Sicherheitsbehörden Srilankas festgehalten und gruppenvergewaltigt wurde, da die Behörden ihren Mann nicht finden konnten. Als der Mann zurück nach Hause kam, sah er ihre gerissenen Kleidungsstücke sowie die Biss- und Kratzwunden auf ihrer Brust. Er brachte sie sofort ins Krankenhaus, wo sie auf der Intensivstation behandelt wurde. Nach diesem Vorfall sprachen die Eheleute nicht mehr über das geschehene Ereignis. Die Massenvergewaltigung dieser Frau setzte einen Keil zwischen ihr und ihrem Mann.

Nichtsdestotrotz gibt es auch viele starke tamilische Frauen, die sowohl das Trauma, als auch die Vergewaltigung mithilfe der Unterstützung ihrer Ehemänner überwunden haben. Einige von ihnen haben sogar geheiratet und Kinder bekommen. Sie haben dazu beschlossen, dass der einzige Weg gegen die Misshandlungen und Folter anzukämpfen, die Widerherstellung eines normalen glücklichen Lebens ist. Dies erfordert außergewöhnlichen, individuellen Mut und sollte keineswegs mit der Illusion, es sei Vergebung oder Versöhnung, verwechselt werden. Die Debatten um die Versöhnung in Srilanka sollten sich eher mit all diesen grausamen Verbrechen auseinandersetzen, statt mit der Frage auf welcher Sprache die Nationalhymne Srilankas nun nach der Versöhnung gesungen werden soll

„Reconciliation has to be about a lot more than which language you use to sing the national anthem.”

Quelle: http://www.colombomirror.com/?p=3412#.VXA74lI3TfY

DEMONSTRATION IN GENF 16.03.2015

Am Montag, den 16.März 2015, versammelten sich Eelamtamilen aus aller Welt in Genf, um auf den fortlaufenden Völkermord am tamilischen Volk in Sri Lanka aufmerksam zu machen. Die Tamilen treten jedes Jahr während den Menschenrechtsratssitzungen in Genf zusammen und fordern Gerechtigkeit für ihr unterdrücktes Volk im Heimatland. Im März dieses Jahres sollte ein Bericht der UN-Untersuchungskommission veröffentlicht werden, welches jedoch aufgrund des Regimewechsels in Sri Lanka um sechs Monate nach hinten verschoben wurde. Diese Verschiebung verärgerte die Tamilen weltweit und nahm deren letzte Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Konflikts.

Der Demonstrationszug startete an einem Park in unmittelbarer Nähe des Genfer Bahnhofs. Während der Demonstration wurden Flyer verteilt, um die Passanten auf die aktuelle Lage in Sri Lanka aufmerksam zu machen. Banner, die durch die Straßen getragen wurden, vereinfachten ebenso, gezielt auf den Konflikt hinzuweisen. Um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erregen, setzten einige Demonstranten Masken mit der Aufschrift „Stop the genocide on Tamils“ auf.

Etlichen Passanten war die Lage der Eelamtamilen in Sri Lanka bekannt, da sie den Demonstrationszug bereits die Jahre zuvor durch Genf marschieren sahen. Sie motivierten die Aktivisten, weiterhin ihre Stimme für Gerechtigkeit zu erheben und sich für ihre Mitmenschen einzusetzen.

Nach der Ankunft des Demonstrationszuges am Platz der Vereinten Nationen wurde die Flagge der Eelamtamilen traditionsgemäß gehisst. Anschließend stiegen die TYO-Mitglieder aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz auf die Bühne, um einen Eid abzulegen, sich weiterhin für die Gerechtigkeit des eelamtamilischen Volkes einzusetzen. In Gedanken an unsere verstorbenen Brüder und Schwester wurden mit Helium gefüllte Luftballons in den Himmel steigen gelassen. Redner aus unterschiedlichen Ländern motivierten die Eelamtamilen der Diaspora; dabei zeigten auch nicht-tamilische Redner ihre Solidarität. Gegen Ende der Demonstration wurde die Flagge der Eelamtamilen herabgelassen und die Kundgebung auf dem Platz der Vereinten Nationen friedlich beendet.

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Rückkehr nach Srilanka riskant für die Tamilen in der Diaspora

Letzte Woche warnte der Abgeordnete der Tamil National Alliance (TNA), P. Ariyanenthiran, dass die Rückkehr nach Sri Lanka momentan riskant für die Eelamtamilen ist, die in den letzten Jahrzehnten von der Insel geflohen und ausgewandert sind. Die Warnung gilt auch an alle Eelamtamilen, die ehemalig LTTE-Mitglieder waren oder deren Asylantrag im Ausland abgelehnt wurde.

In der Zeitung „Uthayan“ gab Herr Ariyanenthiran an, dass die „Eelamtamilen die Rückkehr auf die Insel Sri Lanka vermeiden sollen, bis eine politische Stabilität gewährleistet ist. Zum Ende des 100-Tage-Programms der neuen Regierung wurden 15 Eelamtamilen, die aus dem Ausland anreisten, am Flughafen in Katunayaka verhaftet. Ihr Asylantrag ist im Ausland abgelehnt worden, woraufhin sie zurück nach Sri Lanka geschickt wurden. Viele dieser zurückgekehrten Menschen aus Kuwait, Oman, Saudi Arabien, Italien, Australien und Frankreich wurden von dem Terrorist Investigation Department (TID) am Flughafen verhaftet.“

Darüber hinaus sei es sowohl für ehemalige LTTE Mitglieder, die ins Ausland geflohen sind, als auch für Zivilisten, die aufgrund von politischer Verfolgung und Unterdrückung ausgewandert sind, enorm wichtig, die Rückkehr nach Sri Lanka zu vermeiden, fügte Herr Ariyanenthiran hinzu.
Die zuvor genannte Aussage von Herrn Ariyanenthiran wurde letzte Woche, nach der Verhaftung eines Tamilen getätigt, der in Saudi Arabien arbeitete und nach Sri Lanka zurückkehrte. „Der Eelamtamile Ragupathy Kanagasooriyan aus Kokaddichcholai arbeitete in Saudi Arabien und reiste am 22. April 2015 zurück nach Sri Lanka. Der Vater eines Sohnes wurde am Flughafen in Kattunayaka vom TID verhaftet.“ Die Polizei des Bezirks Kokkadichcholai informierte Ragupathys Familie über die Verhaftung und dem Verhör des jungen Mannes.

Ragupathys Familie gab an, dass er bislang problemlos zwischen Saudi-Arabien und Srilanka gereist ist und nun zum ersten Mal verhaftet wurde. Herr Ariyanenthiran fragte sich daher zurecht: „Können Eelamtamilen in einer gerechten Regierung willkürlich verhaftet werden?“

Quelle: http://www.tamilguardian.com/article.asp?articleid=14584