Unschuldig gefangen !

Mein Herz raste. Schweißperlen bildeten sich auf meiner Stirn. Schreckliche Gedanken schossen mir durch den Kopf. Schlägertruppen sind vor zwei Tagen in benachbarte Zellen eingedrungen und haben dort 35 Insassen massakriert und ermordet. Kehlen unschuldiger Menschen… einfach durchgeschnitten! Menschen wurden behandelt wie Tiere auf dem Schlachtfeld. War ich der Nächste?

Ich hatte keine Angst vor dem Tod, denn er hätte niemals schlimmer sein können als die täglichen Misshandlungen, die ich hier erleben muss. Ich hatte nur Angst, meine Kinder und meine Frau alleine in so einem schrecklichen Land zurückzulassen. Ich wusste nicht mal, ob sie überhaupt noch am Leben waren.

Seit 2 Monaten sitze ich nun in diesem Gefängnis. Doch ich kann mich noch an jeden einzelnen Tag, an jede einzelne Qual erinnern, die ich durchlebt habe. Alles hatte mit der Festnahme angefangen. Offiziere der CID Abteilung stürmten urplötzlich in unsere Wohnung und nahmen mich ohne jegliche Beweise fest. Ich wäre ein Terrorist, hieß es bloß. Meine Frau fiel den Beamten weinend auf die Füße und flehte sie an, mich frei zu lassen, doch sie wurde mit einem Tritt in die Ecke gedrängt. Es zerriss mir mein Herz, sie so zurückzulassen. Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört.

Auf dem Weg zum Gefängnis wurden mir die Augen verbunden. Ich wusste nicht einmal, wohin ich gebracht wurde. Dort angekommen, verbrachte ich die ersten sieben Wochen in Einzelhaft. Jeden Tag kam ein neuer Wärter und verhörte mich. Es blieb jedoch nicht nur beim Verhör. Täglich wurde ich einer neuen qualvollen Foltermethode ausgesetzt. Mein Körper gewöhnte sich irgendwann an den Schmerz. Ich konnte nichts mehr empfinden und es war ein Wunder, dass ich überhaupt noch lebte. Eines Tages wurde kopfüber aufgehängt und bekam eine in Benzin getränkte Tüte über den Kopf. Sie schlugen mich mit Schlagstöcken, traten mich und tunkten mich in große Wasserbecken. Mein Körper bestand nur noch aus Blutergüssen und Wunden.

Vor einer Woche steckten sie mich mit weiteren fünf Männern in eine Gruppenzelle. Sie hatten das gleiche Schicksal wie ich. Auch sie saßen ohne jegliche Beweise unschuldig in Haft. Die tamilische Identität reichte völlig aus, um uns festzunehmen.Durch einen der fünf Männer erfuhr ich, dass ich mich in der Justizvollzugsanstalt Welikade befand. Er hatte es bei einem Gespräch zwischen zwei Wärtern mitbekommen.

Die Hygienebedingungen im Gefängnis hier waren unmenschlich. Die Wärter hatten großen Spaß daran, uns zu quälen. Irgendwo wünschten wir uns alle den Tod herbei, denn wir wussten, wie würden hier nie wieder rauskommen. Trotzdem sehnten wir uns nach Freiheit, denn die Hoffnung starb zuletzt. Einmal wieder seine Familie in die Arme nehmen; einmal wieder an der frischen Luft sein… Doch diese einfachen Wünsche waren nur eine traumhafte Vorstellung.

Maskierte Männer drangen in unsere Zellen und schlugen uns nieder. Wir konnten uns nicht wehren, denn wir waren zu geschwächt durch die ganzen vorherigen Misshandlungen. Wir konnten nicht einmal schreien. Aber wer sollte unsere Schreie auch hören? Wir sind Tamilen. Das Volk, das man unbestraft ermorden darf.

Plötzlich packte mich ein Mann an die Schulter und stach von hinten mit einem Messer auf mich ein. Dann folgten Schüsse. Ich konnte jeden einzelnen deutlich hören. Stille.

About Author

Connect with Me:

Leave a Reply